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Südsteiermark Classic 2004

Bist du flexibel?

– Flexibilität kann man bei der Südsteiermark Classic durchaus gebrauchen!

Was antwortet man auf solch eine Frage, gestellt von einem Bekannten, der mit ausreichend gutem Erfolg alte Autos unterschiedlicher Marken sportlich bewegt? Nicht ganz einen Tag vor der Abfahrt zu einem Oldtimerbewerb in der Südsteiermark musste ich meine nicht vorhandene Flexibilität beweisen und sollte die ausgefallene Beifahrerin nach besten Wissen und Gewissen ersetzen. Gut, ich war flexibel und fungierte als Beifahrer, Höflichkeit und die Notsituation ließen die angebrachte Kritik an meinen Beifahrerkünsten fast verstummen – flexibel und gut, war wahrscheinlich zuviel verlangt.

Seit 2004 wird in Österreich der Austro-Cup als Bewerb für den Gleichmäßigkeitssport mit Historischen Fahrzeuge ausgeschrieben, acht renommierte Bewerbe zählen zu diesem Cup, der damit erstmals eine Normung der Bestimmungen, Planungsgrundlage für eine ausgefüllte Saison und interessante Bewerbe zusammenfasst. Die Südsteiermark Classic mit Start- und Zielort Gamlitz war der zweite Bewerb, wurde 2004 zum dritten Mal durchgeführt, und lockte über 80 Teams mit ihren Fahrzeugen bis Baujahr 197x in die sonnige Südsteiermark. Abnahme und Begrüßung am Donnerstag, erster Fahrtag über ca. 300 km am Freitag, zweiter Fahrtag über 200 km und Abschlussprüfung in Gamlitz am Samstag – am Sonntag Vormittag konnte man noch gemütlich die wunderschöne Gegend besichtigen, die man an den Vortagen vor lauter Gleichmäßigkeit nicht gesehen hatte, und dann mehr oder minder zufrieden die Heimreise antreten.

Südsteiermark Classic 2004
Südsteiermark Classic 2004

Der Herr, der mir Flexibilität abverlangte, heißt Peter Landrichter. Er hat Rallyevergangenheit in den 70er-Jahren, betreibt Oldtimersport seit ca. 6 Jahren und setzt derzeit einen Volvo 121 Baujahr 1968 für den Sport ein. Und das mit Erfolg, wobei Höhen wie Sieg bei der Planai-Classic 2003, 4. Platz bei der Ennstal-Classic 2003 mit erdnahen Platzierungen bei anderen Veranstaltungen abwechseln. 130 PS, kürzere Übersetzung, karge Innenausstattung, Überrollkäfig und alle notwendigen Messgeräte unterscheiden den roten Zweitürer von ähnlich aussehenden Volvo 121, 122S oder 123 GT. Nach fast problemloser Anreise nach Gamlitz „trainierten“ wir in der Nacht vor dem Start ca. 45 Minuten, um das Niveau der Seriensieger Schraml/Schraml zu erreichen! Das war eindeutig zu wenig, denn die Raffinesse der Sonderprüfungen verlangt eingespielte Teams, weil die Aufgabenteilung zwischen Fahrer und Beifahrer routiniert ohne mühsame Absprache funktionieren sollte: Mehrere Abzweigungen in der SP, schnellstes Erreichen des geforderten Schnittes („Offenes Fenster“), enge und kurvenreiche Straßen, SP-Längen bis 10 km, Aneinanderreihen von SPs mit wechselnden Schnitten. Die Veranstalter kommen kaum mit der Formulierung neuer Anforderungen nach und doch bleibt die Spitzenklasse locker unter 0,5 Sekunden Abweichung.

Jeweils sieben Sonderprüfungen pro Tag, wobei zwei abgesperrte Bergstraßen (Rechberg und Stainz) die „Gleichmäßigkeit“ zur „mühsamen“ Aufgabe machten. Die Abschlussprüfung im Gamlitz war ein ca 1,5 km langer Stadtrundkurs, der dreigeteilt zweimal in der gleichen Zeit zu durchfahren war – ein Spaß fürs Publikum und eine Geduldprüfung für die Teilnehmer (für einige Teilnehmer übten die sichtbaren Lichtschranken scheinbar unüberwindliche magnetische Anziehungskraft aus – sie waren immer zu früh dran!). Schönes Wetter am Freitag, trübes Wetter am Samstag, gute Bewirtung, unauffällige und  gute Organisation in einer wunderschönen Landschaft, schnelle Ergebnisermittlung, Informationen für die Zuschauer an nahezu allen Etappenorten – eine erfreuliche Veranstaltung.

Und die Flexibilität? Ich hoffe, ich verrate nicht alle Lancia-Konstruktionsprinzipien der Jahre nach 1960, aber ein Hecktriebler wie der Volvo macht bei ausreichender Motorisierung schon viel Spaß. Da ich nicht Sandro Munari heiße, ist das Fahren eines Hecktrieblers einfacher zu beherrschen und erlaubt Drifts, die man sich bei einem Fronttriebler (ohne Linksbremsen) besser verkneift. Es war ein Vergnügen, zwei Tage im röhrenden, driftenden Volvo – unterbrochen von einigen Gleichmäßigkeitsprüfungen – auf den verlassenen Sträßchen der Südsteiermark unterwegs gewesen zu sein – Peter Landrichter sieht das auch so. Die erzielten Ergebnisse lagen eher unter den Erwartungen, doch so flexibel, wie Peter Landrichter gehofft hatte, war ich doch nicht – viele Sekunden habe ich geliefert, wobei man bei ca. 1,5 Sekunden Abweichung bei manchen Prüfungen bereits Plätze jenseits der 30 erreicht!

E. Marquart / 5.2004

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