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Muletto- Was machte das Reparto Corse Lancia mit seinen Fulvias?

Training Rallye Monte Carlo 1972: Munari - Sodano - Lampinen - Mannucci - das Siegesfahrzeug des Marathon de la Route 1969 TO B51447
Training Rallye Monte Carlo 1972: Munari – Sodano – Lampinen – Mannucci
– das Siegesfahrzeug des Marathon de la Route 1969 TO B51447

Das Reparto Corse Lancia

Was geschah mit den erfolgreichen und weniger erfolgreichen Fulvias des Reparto Corse Lancia? Gianni Tonti hat es in seinen beiden Büchern „Reparto Corse Lancia“ protokolliert und wir bringen Auszüge aus diesen Aufzeichnungen …

Die aktuellen Italienisch-Wörterbücher übersetzen den Begriff Muletto mit Stapler/Gabelstapler, Wikipedia nähert sich der Sache etwas mehr: Mit Muletto (ital. = kleiner Esel) bezeichnet man in der Formel 1 herkömmlicherweise den Ersatzwagen, der insbesondere bei den Testfahrten zur Abstimmung des Fahrwerks, Elastizitätsprüfungen des Motors und Auswahl des Reifentyps zum Einsatz kommt. Was man im Umgangssprachgebrauch der Lancia-Sport-geschichte unter einem Muletto versteht, ist ein Trainingswagen, der seine besten Tage schon lange hinter sich hat.

 

San Martino di Castrozza 1969 - Munari/Bernacchini mit der TO A6574
San Martino di Castrozza 1969 – Munari/Bernacchini mit der TO A6574

Mit dem Erscheinen von Gianni Tontis Insiderbuch „Reparto Corse Lancia“ im November 2013 treten die bisher ungenannten kleinen Eseln „unversehens“ aus der Anonymität heraus, können als ehemals mehr oder weniger erfolgreiche Fahrzeuge identifiziert werden. Helmut Neverla hat in seinen Berichten über die Einsätze von Lancia in Österreich mehrmals erzählt, dass er mit Mulettos unterwegs gewesen wäre – kaum schlechter motorisiert und ausgestattet als die Einsatzwagen, nur halt schon „ein wenig gebraucht“. Garantiert eine Fulvia wurde nie zum Muletto degradiert: Sandro Munaris Siegerauto von der Rallye Monte Carlo 1972, die berühmte Nr. 14 – TO E24266, sie kam umgehend ins Werksmuseum.

 

TAP Rallye 1968 - Tony Fall/Paul Easter mit TO 970373
TAP Rallye 1968 – Tony Fall/Paul Easter mit TO 970373

Gianni Tontis „I Quaderni“ enthalten die „Schicksale“ einiger (ca. 40 von 79 Fahrzeugen), u.a. wohin sie nach Ende ihrer Laufbahn „gegangen“ sind: Muletto, verkauft, verliehen oder verschrottet. Tonti kam Herbst 1967 ins Reparto Corse Lancia,seine Aufzeichnungen beginnen mit der Tour de Corse 1967, die bekanntlich Munari mit der 1.401ccm-Fulvia gewann. Ab diesem Zeitpunkt gab es mehr oder minder komplette Aufzeichnungen über die Einsätze und Ausrüstung/Einstellung der Fahrzeuge – auch teilweise bis zum Ende ihrer „offiziellen“ Einsätze.

 

Ab diesem Zeitpunkt gab es mehr oder minder komplette Aufzeichnungen über die Einsätze und Ausrüstung/Einstellung der Fahrzeuge – auch teilweise bis zum Ende ihrer „offiziellen“ Einsätze.
Ab diesem Zeitpunkt gab es mehr oder minder komplette Aufzeichnungen über die Einsätze und Ausrüstung/Einstellung der Fahrzeuge – auch teilweise bis zum Ende ihrer „offiziellen“ Einsätze.

Die genaue Lektüre von Gianni Tontis Buch hat mich auf die Idee gebracht eine Liste der Mulettos zu erstellen, welche „stolzen“ Fulvias wurden auch nach bejubelten Siegen im Alltag der Sporteinsätze „verbraucht“? Gibt es ein Muster, welche Fulvia überlebt hat? Ich habe bereits im Jahr 2010 eine Liste der überlebenden Fulvias in lancianews gebracht (Rubrik Titel „Fulvia nowhere“), zwischenzeitlich sind erfreulicherweise einige Fahrzeuge dazugekommen, Stand Ende 2013 halten wir bei 27 von 79 bekannten Werkswagen. Richtig überlebt haben allerdings nur die letzten Mohikanerinnen – 1,6 HF der Jahre 1971 bis 1973, sie werden auch bei Gelegenheit gezeigt und bewegt. HF und 1,3 HF sind an einer Hand abzuzählen und blühen meist im Verborgenen, sofern nicht nur der Rost blüht.

 

RACE Rallye 1967 - Andersson/Davenport mit "Wechselbalg" TO 941005 = von Gruppe 1 zu Gruppe 6 und wieder zurück
RACE Rallye 1967 – Andersson/Davenport mit „Wechselbalg“ TO 941005 = von Gruppe 1 zu Gruppe 6 und wieder zurück

Die Zeit vor Gianni Tontis Eintritt ins Reparto Corse Lancia wird wohl im Dunkel der Geschichte verborgen bleiben, die damals eingesetzten Fahrzeuge können zwar anhand der Zulassungsnummern zugeordnet werden, doch was mit ihnen am Ende ihrer Sportkarriere geschah, kann leider nirgends nachgelesen werden. Tonti führt nicht alle Fahrzeuge in seinem Buch an, er hat die „wichtigen“ = mit nachweisbaren Erfolgen zusammengestellt, es bleiben aber eine Menge weniger wichtiger Fulvias unerwähnt. Ich nehme an aus Platzgründen, sonst wäre das Buch mindestens um die Hälfte „dicker“ geworden. Die letzten ungefähr zwölf 1,6 HF werden nicht dokumentiert, sie haben nahezu alle überlebt, ob sie als Mulettos verwendet und auf welchem Weg sie aus dem Reparto Corse zu den Käufern gefunden haben, ist nicht bekannt.

Intern. Österr. Alpenfahrt 1968 - Mikkola/Järvi mit TO 970376
Intern. Österr. Alpenfahrt 1968 – Mikkola/Järvi mit TO 970376

Zusammengefasst – die Details können Sie der untenstehenden Tabelle entnehmen – wurden von den oben angesprochen ca. 40 Fahrzeugen 15 als Mulettos eingesetzt, die Wege der 33 in den Verkauf gekommenen Wagen sind dokumentiert. Einige der Käufer sollte der aufmerksame Leser kennen: Claudio Maglioli, Amilcare Ballestrieri, O. Dall’Ava, Germano Nataloni, Fausto Carello, Giacomo Pelganta, Mauro Pregliasco und die Clubs Grifone, 3 Gazelle und Jolly Club. Nur ca. vier Fahrzeuge aus Tontis Liste wurden offiziell verschrottet.

 

 

Tabelle

E. Marquart / 12.2014

 

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