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Fremdgehen mit Signora Fulvia ist schön …

… auf Abwegen mit einer italienischen Prinzessin!

 

Fulvia 1600 HF - Peter Landrichter/Peter Pech im Waldviertel unterwegs
Fulvia 1600 HF – Peter Landrichter/Peter Pech im Waldviertel unterwegs

Vorbemerkung:

Zuerst habe ich mich einmal erkundigt, wie man sie richtig schreibt – mit „V“ oder mit „F“- aber, ich hab’s mir ja gleich gedacht – natürlich mit „F“. Es heißt ja auch HF und nicht HV – also heißt es auch Fulvia und nicht Vulvia. Obwohl, bei solch einer leichtlebigen italienischen Prinzessin …

Ganz unbeleckt war ich ja nicht. Schließlich habe ich ja auch einen Bertone GTJ und eine GTV im Stall (und da muss man ja schon ganz schön italophil sein..) – aber auch wenn es noch immer die „Giulia“ heißt, so hat sich in unserem Sprachgebrauch doch „der“ Bertone eingebürgert – auch wenn … eigentlich … die … na ja bei „der Lancia Fulvia, Coupè 1600 HF“ entfallen jedenfalls solche Überlegungen.

… wie es dazu kam

Ich habe von Freunden gehört, dass es eine neue Rallye geben soll, die ein bisschen einen sportlichen Touch hat, Karl Illner Klassik heißt und die irgendwo im Waldviertel von einem „ZV Horn“ veranstaltet wird. „ZV“ – ist das eine Abkürzung von Zastava? Aber Horn da klingelt natürlich etwas. Als Wochenend-Waldviertler kennt man natürlich das Zentrum des Nordens, den (ehemaligen BRITAX-) Ring in Fuglau und natürlich den Ford-Lehr in Horn, etc.. Das waren bereits in den frühen 70er Jahren Begriffe im österreichischen Motorsport. Als ich dann noch einen der zwei Veranstaltungsbrüder Muschawek bei der Wachau Klassik als Beifahrer von Herbert Grünsteidl kennenlernte, war der Entschluss schnell gefasst: diese Veranstaltung muss ich fahren!! Nachdem das Jahr 2007 zum internationalen „Jahr des Elchs“ gekürt wurde, blieb mir nichts anderes übrig als mit meinem Volvo 123 GT zu nennen und mich der Dinge, die da kommen würden, zu freuen. Aber erstens kommt es anders und zweitens … ja richtig … als man denkt. Nach den letzten zwei Rallyes  befielen den Wiederkäuer einige Unpässlichkeiten und ich war gezwungen, ihm einen kleinen Kuraufenthalt in Germanien (!!) zu verordnen. Na ja, macht nichts – holen wir halt den GTJ wieder hervor, der jetzt bereits seit zwei Jahre mit kaputtem Getriebe auf einen Wiedereinsatz harrt. Also Getriebe gerichtet, eingebaut – und … Von Los waren wir leider noch weit entfernt! Nachdem die Zeit (zwei Tage vor der Veranstaltung) langsam knapp wurde, wollte ich schon auf ein fast „junges“ Auto (nur 25 Jahre alt) zurückgreifen – aber da bot mir mein Beifahrer Peter Pech selbstlos an,  seine Fulvia zu bewegen. Als eingefleischter Hinterradantriebs-Freak ließ ich mir das natürlich nicht zweimal sagen. Es hat mich schon immer gereizt, einmal ein typisches Vorderradantriebs-Auto auszuprobieren. Und dann gleich eines das in den 70er Jahren zu den erfolgreichsten Rallyeautos gehörte – und so haben wir am Tag vor der Veranstaltung auf die Fulvia umdisponiert.

Franz Casny und Werner Neumeister auf Fulvia 1,3 Rallye
Franz Casny und Werner Neumeister auf Fulvia 1,3 Rallye

Die Veranstaltung

Freitag Nachmittag- erstes Beschnuppern mit Peters Fulvia. Zuerst einmal war ich sehr vorsichtig. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie ein so sauberes und schönes Auto gesehen. Jeder Quadratzentimeter glänzt und blitzt und man überlegt sich ernsthaft, ob man ohne Hausschuhe überhaupt einsteigen darf. Und das mir, wo ich unter Freunden ja nicht gerade als „Pfleger“ verschrien bin. Aber dann habe ich mir einen Ruck gegeben, vorsichtig den Knopf zum Türeöffnen gedrückt und mich in den Schalensitz geschlängelt. Hmmmm – komisch – irgendwie ist alles am richtigen Platz, übersichtlich. ah ja Gott sei Dank – der erste Gang ist wenigstens am falschen Platz – nämlich links unten. Wenn man sich allerdings an die Rennautos der 50er Jahre erinnert, war er da immer links unten. Falsch oder richtig – wie auch immer er ist links unten. An das gewöhnt man sich aber sehr schnell – nur der zweite Gang ist mir immer ein bisschen hakelig vorkommen. Also fahre ich einmal zu Papierabnahme nach Horn. Schnell ist das Öl auf Betriebstemperatur und man kann das seidenweiche Schnurren etwas höher (Touren und Ton) werden lassen. Bei der technischen Abnahme winkt Peter Muschawek bereits von weitem ab, bei so einem schönen Auto ist sicher alles in Ordnung! Am nächsten Tag in der früh erleben wir unsere erste Schrecksekunde. Nach einer etwas flotter genommenen Abzweigung beginnt das alte Mädchen zu stottern und will gar nicht mehr auf allen Zylindern laufen. Also bleiben wir stehen, und beäugen misstrauisch den Motor. Siehe da im ersten Zündkerzenloch steht schaumiges Wasser. Haarriss, Kopfschaden, Motor ex – alles Mögliche wird verdächtigt, bis sich herausstellt, dass nur der etwas prall gefüllte (das kommt von übertriebener Ordentlichkeit!!) Scheibenwaschanlagenbehälter aufgegangen ist und einen Teil seines Inhalts über den Motor ergossen hat. Also weiter und rechtzeitig zum Start am Festgelände in Horn. Hier kann ich wieder einmal feststellen, dass einem das Auto mit dem man gerade fährt immer am meisten auffällt. Ich komme mir geradezu umzingelt von Fulvias vor. Sonst fahren doch nie so viele …Wir werden mit Startnummer 11 auf die Reise geschickt. Gleich mit einer Timing Sonderprüfung mit zwei Lichtschranken. Die Strecke besteht aus vier (dem Umfang eines Kleeblattes ähnelnden) in etwa gleich langen Etappen, die immer wieder in Horn enden und neu gestartet werden. Die gesamte Strecke führt über nette, kleine Nebenstraßen und der Spaß am Fahren wird nur immer wieder durch Timing- oder Schnitt-SP’s unterbrochen und – HEUREKA – es gibt sogar Schotter- und sehr schöne Sandstraßen, die auch den gepflegtesten Boliden nicht schaden!! Die Schnitte sind den Gegebenheiten gut angepasst und trotzdem so, dass einem nicht langweilig wird. Also alles in allem eine gelungene Veranstaltung mit sehr viel „familiären“ Flair, die ich sicher wieder fahren werde.

Fazit

Man sollte es nicht glauben – es gibt also wirklich ein Leben neben dem Hinterradantrieb. Die etwas mangelnde „Kurvengierigkeit“ (=Übersteuern), vor allem in Serpentinen, kann durch einen drehfreudigen, tollen Motor und gute Allgemein-Straßenlage durchaus ausgeglichen werden und so zu einem sehr schönen Gesamt – Fahrerlebnis führen. Nicht umsonst gab es Jahre, wo die Fulvia einfach alles gewonnen hat, was Gott verboten hat – und – es gäbe ja auch die Möglichkeit das Linksbremsen zu lernen – und dann ….

Peter Landrichter / 07.2007 –  mit Dank an den tollen Fotografen:

Fotos von Ing. Friedrich Berger, 1220 Wien, Fischerstrand 8, Tel. 0664 450 52 81  – http://www.bestmoments.at/

 

Da zischen sie davon, die Fulvias!
Da zischen sie davon, die Fulvias!

 

 

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