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Restaurieren ist Eines – Bewegen am richtigen Ort ein Zweites

Geschichtsbewusstsein mit dem Matra

Als Ergänzung zum Bericht vom Dezember 2010 folgte eine geschichtsbewusste Ausfahrt zur Produktionsstätte des Matra Djet 5 S in Frankreich sowie der historischen Rennstrecke Reims-Geux.

 

Matra in Reims-Gueux - Erinnerungsort französischer Motorsportgeschichte
Matra in Reims-Gueux – Erinnerungsort französischer Motorsportgeschichte

Als bald manischer Lancia-Historiker kämpfe ich seit vielen Jahren mit dem lückenhaften Geschichtsbewusstsein der Firma Lancia: Werk, Protagonisten, Sekundärliteratur und teilweise auch die spätberufenen Fans, die mit überraschender Leichtigkeit die angemessene Sorgfalt vermissen lassen (Kleber, Felgen und Zubehör).

So ist es doppelt schön, wenn man junge Leute kennt, die mit vollem Einsatz das „Erbe“ der ganz kurzen Geschichte ihrer Marke in Österreich in allen Aspekten zusammengetragen – sowie die Fahrzeuge in optimalen Originalzustand gebracht haben und entsprechend pflegen.

Ich hatte im Dezember 2010 in der Rubrik Technik unter dem Titel „Wiedersehen macht Freude“ von einem persönlichen Wiedersehen mit einem Fahrzeug berichtet, in dem ich als Beifahrer die Rallyesaison 1968 bestritten hatte. Wie in diesem Beitrag erwähnt, brauchte zu diesem Zeitpunkt der rote Djet 5 S, in dem ich 1967 beigefahren war, noch „etwas“ Zuwendung.

"Ohne Worte" - da gibt es nichts zu sagen! - 2 Matra nebeneinander
„Ohne Worte“ – da gibt es nichts zu sagen!

Anfangs Oktober 2013 stand ich ein weiteres Mal am Fuß des Wienerwalds, nicht die Renovierung hatte so lange gedauert, sondern der überlastete Pensionist hatte den weiten Weg aus Wien nicht früher geschafft. Da standen die beiden Matras blitzsauber nebeneinander in der Garage, als wären sie gestern ausgeliefert worden. Der kleine serienmäßige Djet 5 S wirkte mit den schmalen 4 ½ Zoll Stahlfelgen richtig zierlich neben dem Jet 6 mit seinen Kotflügelverbreiterungen und 6 Zoll breiten Leichtmetallfelgen.

Matra

Natürlich gab es wieder eine Probefahrt im trüben Tullner Feld, der Gordini-Motor drehte ganz rund bis zum Ende des Drehzahlmessers (= 8.000 U/min) und schob das Plastik-Geschoss eindrucksvoll an. Da kehrten die Vergangenheit und Verrücktheit wieder – Schulter an Schulter, Kopf leicht eingezogen, den Motor in der Wagenmitte jubelnd hinter uns – so waren die Matra-Größen J.P. Beltoise, H. Pescarolo und J. Servoz-Gavin unterwegs gewesen. Und Otto Karger, Gert Scholz und ich!

Französische Größen - Jean Pierre Wimille, Reims und Matra
Französische Größen – Jean Pierre Wimille, Reims und Matra

Doch damit nicht genug! Beide Matras waren bereits in Frankreich an ihrer Geburtsstätte, heute ein Industriemuseum unter Denkmalschutz.

Matra vor derm Industriemuseum

Und in Reims-Gueux! Sie kennen diese Rennstrecke (nicht)? Ein Kurs, zusammengesetzt aus Landstraßen, viele Geraden und wenige Kurven (Schnitt der 1,5 l Formel 1 1963 201,669 km/h). Bis Mitte der 1950er-Jahre war dies der Traditionsaustragungsort des Grand Prix de France, dann abwechselnd mit Rouen, um schließlich als verfallende Ruine an der Landstraße ein Mahnmal vergangener Größe. Dort hatte Matra mit F3- und F2-Fahrzeuge Mitte der 1960er-Jahre große Erfolge erzielt.

Und dort musste der kleine Djet 5 S hin! Das ist wirkliches, ehrliches Geschichtsbewusstsein.

 

Die Zeitnehmer saßen wohl noch im Café!
Die Zeitnehmer saßen wohl noch im Café!

E. Marquart /11.2013

PS: Die Restaurierung der Tribünen und Boxenanlagen in Reims-Gueux hat ein privater französischer Verein in Eigenregie übernommen – auch das ist Geschichtsbewusstsein.

Lancia Fulvia

Nachtrag vom 12. November 2013:

Sofort nach Erscheinen des obigen Berichtes schickten uns niederländische Lancia-Freunde vier Fotos: Fulvias gab’s da auch!

Lancia Fulvia

Das freut uns mehrfach,

  • dass es in der Lancia-Gemeinde auch geschichtsbewusste Leute gibt, die auch Reims-Gueux mit ihren Fulvias besucht haben
  • dass lancianews auch am „anderen“ Ende von Europa gelesen wird
  • dass die Fotos so schnell geschickt wurden, um zu dokumentieren, dass es mehr Verrückte gibt, als man glaubt!

Lancia Fulvia

Danke Lucas Geheniau für diese nette Nachricht. Und: schöne

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