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Charmante Sternschnuppe? – Die Tour de Charme 2003

Graz – Europas Kulturhauptstadt 2003 – mit entsprechendem Oldtimerbewerb

Tour de Charme 2003 - Rathausplatz in Graz
Tour de Charme 2003 – Rathausplatz in Graz

 

Wann ist eine Oldtimerveranstaltung ein großer Erfolg?

  • Wenn die Teilnehmer vor, in und nach der Veranstaltung zufrieden sind?
  • Wenn historisch wertvolle Fahrzeuge in großer Dichte am Start sind?
  • Wenn sie auf eine lange Tradition zurückblicken kann?
  • Wenn das Interesse der Zuschauer in Stadt und Land groß ist?
  • Wenn der gesellschaftliche Rahmen dem sportlichen Anspruch gerecht wird?
  • Wenn der Veranstalter durch Nenngelder und Sponsoren ohne Blessuren die Veranstaltung abwickeln kann?
  • Wenn sich die Organisatoren auch nachher noch in die Augen schauen können?
  •  Wenn das mediale Interesse und Echo so groß sind, dass sich auch „Seitenblicke“ blicken lassen?
Ohne entsprechend flächendeckende Ankündigung in den einschlägigen Medien und mit einem gut gestalteten, aber späten Internetauftritt erschien die „Tour de Charme“ am 23. Juli 2003 am automobilen Horizont. Es war ein Donnerschlag: Rathausplatz in Graz als Mittelpunkt der Veranstaltung, die Grazer Oper als Paddock-Club für zwei Veranstaltungstage, zwei hochkarätige Rallye-Tage durch die Steiermark, ein flotter Gleichmäßigkeitsbewerb auf den Hausberg Ries und ein Rundkurs durch die Innenstadt von Graz. Begleitet von einem Eventprogramm für die Teilnehmer, das dem Anspruch Europas Kulturhauptstadt 2003 gerecht wurde: Empfang in Schloss Eggenberg, Abendgala im Priesterseminar, Siegerehrung vor der Grazer Oper.

Sollten nun die obigen Fragen noch in Form einer Checkliste beantwortet werden?

Im Rahmen des Programms als Europas Kulturhauptstadt 2003 hatte die Stadt Graz eine Eventagentur beauftragt, einen dem Rahmen entsprechenden Oldtimer-Event zu organisieren. Leitfigur war Richard Kaan, bekannt als 356-Perfektionist – Grazer und in der Szene einschlägig bekannt (Sieger der Ennstal-Classic 1996); den Sportbewerb organisierte der RRC13 – Kurt Sassarak bot einen Teil seiner bekannt professionellen Infrastruktur und interessante SP-Anforderungen; das Wetter war dem Anlass gemäß sommerlich strahlend. 85 Besitzer historisch wertvoller Fahrzeuge von Baujahr 1904 bis 1971 aus Deutschland und Österreich waren eingeladen worden und brachten ihre Schätze mit, ein Feld von Pretiosen, wie es in Österreich bisher noch nie zu sehen war (45 Vorkriegsfahrzeuge: Rolls Royce, Bugatti, Mercedes, Pontiac, Auburn, Invicta, Ford, Alfa Romeo, Lagonda, Aston Martin, Jaguar SS, Fiat 508 C MM, BMW sowie 40 Nachkriegsfahrzeuge: Talbot, Jaguar XK, Maserati, Mercedes, Porsche 356, Jaguar MKII, Aston Martin, Austin Healey).

Tour de Charme 2003 - Mittagspause in der Südsteiermark
Tour de Charme 2003 – Mittagspause in der Südsteiermark

Wie bin ich zur Tour de Charme gekommen? Leider wurde ich nicht eingeladen – kleine Fulvias sind nicht so attraktiv. Kurt Sassarak hatte mich gefragt, ob ich als Vorauswagen (Startnummer 0) mithelfen wolle. Der Blick hinter die Kulissen, das angekündigte Programm und die sportlichen Bewerbe waren genügend Anreiz, schnell zuzusagen. Der folgende Bericht soll aus der Sicht eines „sichtbaren“ Heinzelmännchens über die Höhepunkte der Vier-Tage-Veranstaltung aus Sicht des Teilnehmers und des Funktionärs informieren.

Tour de Charme 2003 - Nachhilfe für die Teilnehmer
Tour de Charme 2003 – Nachhilfe für die Teilnehmer

Mittwoch 23.07.: Begrüßung und Wagenabnahme auf dem Grazer Rathausplatz. Videowand, Platzsprecher, Zelt mit Do&Co-Catering und jede Menge Leute. Dicke Roadbooks, informatives Hochglanz-Programmheft, Geschenke für die Teilnehmer und tolle Stimmung.

Donnerstag 24.07.: Berg- und Wald-Challenge in den steirischen Bergen nordwestlich von Graz. Start ab 8:00 Uhr auf dem Rathausplatz, neun Etappen, vier Sonderprüfungen auf anspruchsvollen, verlassenen Bergstraßen – Autofahren pur. Mittagessen beim Jagawirt am Reinischkogel. Zielankunft ab 16:30 auf dem Rathausplatz in Graz mit Trubel, Musik, Platzsprecher und kühler Erfrischung im Do&Co-Zelt.

Was treibt der Vorauswagen? Er synchronisiert die Kontrollen, Zeitnehmer, versorgt sie mit eventuell fehlenden Geräten und Papieren, kümmert sich bei den Pausen um die offenen Kleinigkeiten, stellt Wegweiser für suchende Teilnehmer auf und und … Und wird von den Teilnehmern der ersten Gruppe (Mercedes SSK, Alfa Romeo 8C und Bugatti 37 GP) vor sich hergetrieben, denn diese Teilnehmer scherten sich um keine Kontrollen und Gleichmäßigkeit, wollten nur ihre Schätze angemessen bewegen!

Freitag 25.07.: Weinland-Challenge im südsteirischen Weinland. Start ab 8:00 Uhr auf dem Rathausplatz, zehn Etappen, vier Sonderprüfungen zwischen den Weingärten und Kukurruz-Feldern. Auch hier wieder unbeschwertes Autofahren, die Straßen nicht so fordernd wie am Vortrag. Pause in einer Kernölmühle, Mittagessen im Weingut Tscheppe bei Langegg im Weingarten (Stichwort „Steirische Toskana“). Zielankunft ab 17:00 auf dem Rathausplatz wieder mit Trubel, Musik, Platzsprecher und kühler Erfrischung im Do&Co-Zelt.
Der Vorauswagen hatte leider Startschwierigkeiten, freundliche Teilnehmer schoben die Fulvia an, sodass wir meist gerade noch rechtzeitig die Kontrollen vor den Tieffliegern („Bläserquartett“) erreichten.

Tour de Charme 2003 - Vorauswagen auf die Ries
Tour de Charme 2003 – Vorauswagen auf die Ries

Samstag 26.07.: Ries-Rennen. Die Ries als Hausberg der Grazer, Bundesstraße 54 direkt vor Graz aus Gleisdorf kommend, war früher Austragungsort eines Bergrennens und für den jungen Jochen Rindt und Helmut Marko Übungshang. Die Bundesstraße wurde für den Bewerb gesperrt. In drei Läufen (Besichtigung, Zeit-Setzen und Zeit-Bestätigen) wurden die 6,2 km gefahren, wobei ein Minimalzeit von umgerechnet 70 km/h vorgeschrieben war. Sturzhelmpflicht, volle Bergrennen-Sicherheit, Tribünen und Videowand – ein einmaliges Erlebnis für Autofahrer 2003. Ich staunte nicht schlecht, als mir plötzlich auf der Videowand ein Fulvia 1,3 HF in flotter Fahrt entgegenkam! Die Bergfahrten wurden ohne Schwierigkeiten durchgeführt, Zeiten wurden aus erzieherischen Gründen keine bekanntgegeben – nur die Differenzen!!

Tour de Charme 2003 - City-Challenge
Tour de Charme 2003 – City-Challenge

Sonntag 27.07.: Classic-City-Challenge. Ein Rundkurs durch die Grazer Innenstadt über 3,3 km mit drei Messstellen musste in vorgeschriebenen Zeiten gefahren werden. Weniger die Geschwindigkeit (ca. 40 km/h), vielmehr die Einmaligkeit des Befahrens von Straßen, die sonst Fußgängern vorbehalten sind, machte den Reiz des Bewerbes aus. Ein kleiner Eindruck „Monte Carlo“ zwischen Paulustor, Sporgasse, Freiheitsplatz, Hofgasse und Burggasse war sicher beabsichtigt.

Als Vorauswagen durfte ich alle vier Teilnehmergruppen zu je 25 Fahrzeugen um den Kurs führen und viermal die drei Runden genießen, bei den letzten beiden Gruppen nahm ich dann auch z.B. den Kommentator Ulf von Malberg und Ehefrauen von Funktionären mit.
Siegerehrung direkt vor der Oper – vier ereignisreiche Tage für Teilnehmer und Funktionäre gingen zu Ende. Waren sie für alle so schön wie gewünscht?

So kommen wir am Ende zu den Fragen vom Beginn des Berichts zurück. Wann ist eine Oldtimerveranstaltung ein großer Erfolg?

  • Wenn die Teilnehmer vor, in und nach der Veranstaltung zufrieden sind? – Es wurde von den Teilnehmern Zufriedenheit, sowohl offiziell als auch in privaten Gesprächen, geäußert.
  • Wenn historisch wertvolle Fahrzeuge in großer Dichte am Start sind? – Es war ein einmaliges Feld nach Graz gekommen.
  • Wenn sie auf eine lange Tradition zurückblicken kann? – Es war die Premiere, trotzdem gut gelungen.
  • Wenn das Interesse der Zuschauer in Stadt und Land groß ist? – Die Beteiligung der Zuschauer war wegen nicht durchgängiger, nur lokaler Medienpräsenz eher gering.
  • Wenn der gesellschaftliche Rahmen dem sportlichen Anspruch gerecht wird? – Er wurde vollauf gerecht.
  • Wenn der Veranstalter durch Nenngelder und Sponsoren ohne Blessuren die Veranstaltung abwickeln kann? – Dieses Ergebnis ist mir nicht bekannt.
  • Wenn sich die Organisatoren auch nachher noch in die Augen schauen können? – Auf Seite der Heinzelmännchen und mit Richard Kaan ja.
  • Wenn das mediale Interesse und Echo so groß sind, dass sich auch „Seitenblicke“ blicken lassen? – Ich habe (leider?) nur wenige Berichte entdecken können, lese allerdings auch keine Grazer Zeitungen.

Obwohl nicht alle Fragen eindeutig mit ja beantwortet werden können, wage ich die Aussage, dass die Tour de Charme ein großer Erfolg war. Die Dichte des hochklassigen Programmes, das Fahrzeugmaterial, der Rahmen der Kulturhauptstadt Graz, die Einmaligkeit der Bewerbe Ries und City-Challenge und die professionelle Abwicklung lassen eine Fortsetzung/Steigerung – Sternschnuppe? – eher unwahrscheinlich erscheinen. Und wenn die Tour de Charme nur eine Sternschnuppe war, es war schön, dabeigewesen zu sein. Sollten Sie Bilder, Berichte sehen und lesen, freuen Sie sich mit allen Teilnehmern und Mitwirkenden, dass solch eine Veranstaltung in Österreich möglich gemacht worden war.

E. Marquart/8.2003

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