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Walter Radler (1939 – 2018)

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Erstmals müssen wir bei lancianews einen Nachruf auf einen Österreicher verfassen, der eine wesentliche Rolle in der Geschichte der Marke Lancia in Österreich gespielt hat. Die Marke Lancia war in Österreich immer ein Minderheitenprogramm, dies aus verschiedenen, aus zeitlicher Distanz noch weniger verständlichen Gründen. Geld ist eine Sache, aber Individualität, Qualitätsbewusstsein und Markenappeal andere.

 

Walter Radler (1939 – 2018) – Badener Herbstwertung 1961

 

Walter Radler, zuerst Sohn dann Besitzer einer renommierten Parfümerie in Wien Hietzing war väterlicherseits vorbelastet, wobei Vater Radler dem Sohn für den Motorsport nicht seine Lancia zur Verfügung stellte, aber nach einem Simca die Anschaffung einer Lancia Appia S3 ermöglichte. Als Teil der motorsportbegeisterten Jugend in Hietzing und Umgebung war er bei ab Ende der 1950er-Jahre im österreichischen Wertungssport unterwegs, Gründungsmitglied des Motorsportclubs RRC13 und als flotter Autofahrer bekannt. Mit der mausgrauen Appia S3 wurde er 1962 und 1963 österreichischer Staatsmeister im Wertungssport für verbesserte Tourenwagen bis 1.150 ccm. Die 60 ccm Minder-Kubatur der Appia machte er durch Einsatz wett.

Walter Radler (1939 – 2018) – mit Johannes Ortner

 Neben den regionalen Wertungsfahrten bestritt er auch die großen Veranstaltungen wie Alpenfahrt, Semperit-Rallye und München-Wien-Budapest. Fast immer Klassensieger – Gesamtklassements gab es damals nicht – waren ihm die Meistertitel nicht zu nehmen. Höhepunkt war der Gesamtsieg bei der neuen Rallye München-Wien-Budapest 1963, als er im Waldviertel schneller als alle Konkurrenten der anderen Kategorien und Klassen war.

 

Walter Radler (1939 – 2018) – München-Wien-Budapest 1964 mit Kurt Sassarak

 

Lancia pflegte in den 1960er-Jahren den Kundensport („Clienti“) und so wurde Walter Radler nach Turin zu den Jahresendfeiern eingeladen. Und Ende 1963 kam er mit der Zusage für die Bereitstellung eines Werkswagens aus Turin nach Hause. So war er beim Flugplatzrennen in Aspern 1964 mit einem Flavia Coupé und während der Rallyesaison mit einer Fulvia Berlina unterwegs. Lancia war zufrieden, denn für die Saison 1965 wurde ein hochkarätiges Rennauto – das Flaminia Coupé von Giorgio Pianta – zur Verfügung gestellt. Für Rennen geeignet, allerdings weniger für Rallyes auf Österreichs Straßen, sodass der Meistertitel Tourenwagen bis 2.500 ccm knapp verpasst wurde.

 

Walter Radler (1939 – 2018) – Flaminia 1965

1966 wurde ein Fulvia Coupé angeschafft, die Saison hoffnungsfroh begonnen, aber nach dem Klassensieg GT bis 1.300 ccm bei der Semperit-Rallye 1966 die Rallye-Laufbahn entschlossen beendet. Wieder einmal war der Lancia nicht wirklich für den Rallyesport geeignet.

 

Walter Radler (1939 – 2018) – Semperit-Rallye 1966

 

Als Mitglied des RRC13 blieb er dem Motorsport verbunden, war als Funktionär unterwegs, bis sich nach der ersten Energiekrise Ende 1973 die Prioritäten im Motorsport zur Rundstrecke verschoben, wo die Generation nach Jochen Rindt bestimmend war.

 Mitte der 1990er-Jahre begann eine neue Entwicklung, die viele „alte“ Motorsportrecken wieder hinter den Öfen hervorlockte: der Gleichmäßigkeitssport mit Oldtimern. Mit der „Ennstal-Classic“ und der 1000 Minuten Klassik entstanden Bewerbe, bei welchen man die Rallyeerfahrung nutzen konnte, sportliche Anforderungen und Wettbewerbsatmosphäre wiederfand. Und Walter Radler hatte mit dem Alfa Romeo 1750 aus dem Familienbesitz das richtige Fahrzeug bereits in der Garage stehen. Mit Ing. Udo Pöschmann, Gründungsmitglied des ÖASC und Vater der Österreichischen Alpenfahrt bis 1973, bestritt er nun mehrere dieser Veranstaltungen mit erfreulichem Erfolg.

 

Walter Radler (1939 – 2018) – Sport und Spaß mit Ehefrau Gabi

Doch auch hier, wie im Motorsport üblich, wurde die sportliche Schraube angezogen. Aus Spaß wurde ernster Bewerb, bei dem man sich keine Fehler leisten sollte, wollte man vorne dabei sein. Udo Pöschmann zog nach einer 1000 Klassik die Konsequenzen und ließ Walter mit seinen sportlichen Ambitionen alleine. Was tun? Ab diesem Zeitpunkt saß Ehefrau Gabi neben Walter, durfte seinen Ehrgeiz und Spaß am sportlichen Bewegen des alten Autos unterstützen. So wurden weiter Pokale, allerdings bei kleineren Veranstaltungen, gesammelt und die Gesellschaft ähnlich unbeugsamer Oldtimerfreunde genossen.

 Gabi und Walter Radler fuhren zwar keine Lancia mehr – es gibt neben dem Alfa Romeo attraktive Alternativen aus Maranello – blieben aber der Lancia-Runde verbunden, nahmen an unseren Garagenausfahrten teil und stellten so eine Brücke zur historischen Lancia-Zeit da.

 

Wir vermissen Gabi und Walter sehr, Sport mit alten Autos, die Erinnerung an die „guten“ alten Zeiten und die hilfsbereite Herzlichkeit in der aktuellen Szene – Stichwort Ennstal-Classic 2015 – waren immer eine große, vor allem menschliche Freude.

 

 

E. Marquart / 5.2018

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