2026 war es das 12 Mal, dass ich an der Ennsta-Classic aktiv teilgenommen habe. Davon zehn Mal selber gefahren (2005/2007/2009/2017/18/19/22/24/25/26) sowie 1999 und 2001 als Copilot.
Man könnte glauben, dass, wenn man so oft im Ennstal war, dass man alle Straßen und Nebenstraßen kennen sollte. Weit gefehlt, denn der Veranstalter findet immer wieder neue wunderbare kleine Straßen und verwunschene Pfade, wo er uns auf diversen Schnittprüfungen Strafsekunden aufbrummen kann.
Aber nun vom Anfang an.
Begonnen hat mein heuriges Abenteuer bereits 2025 bei der Perchtoldsdorf-Classic. Dort saß mein Vetter am Beifahrersitz und hatte sich ganz geschickt angestellt. Wir hatten zwar nichts gewonnen, aber er hatte „Blut geleckt“ und wollte etwas „Größeres“ fahren. Und so kam der Entschluss „Es muss die Königin der Oldtimerrallyes in Österreich sein“, also die Ennstal Classic.
Nennung abgegeben. Mit dem Veranstalter gesprochen, ob er nicht meinen Freund Daniele Audetto aus Italien als Ehrengast bei der Rallye dabei haben will. Natürlich wollte er und so habe ich so nebenbei das Ehepaar Audetto in das Ennstal geholt (Für die die es nicht wissen: Daniele war während der Lauda-Zeit Ferrari Rennleiter Formel 1).
Unsere Vorbereitungszeit war eher bescheiden, da es aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert hat. Das Einzige, was wir gemeinsam machten, war ein Anfängerlehrgang bei Familie Mischka – Oldtimerrallye Schulung – Mehr Wissen, mehr Spaß, mehr Rallye!. Dort bekamen wir einige gute Tipps, aber leider nicht den Gutschein für den Gewinn der Ennstal-Classic.
Da meine Flavia und ich persönlich vor der Veranstaltung „kränkelten“, hatte wir genau einen halben Tag Zeit, um im Wienerwald verschiedene Schnittprüfungen zu simulieren. Trotzdem ging es frohen Mutes am Dienstag, den 21.Juli, Richtung Gröbming.
Mittwoch früh Papier- und technische Abnahme, dann das Roadbook ausgefasst und zu unserem Entsetzen festgestellt: in den nächsten drei Tagen dürfen wir (nicht müssen) knappe eintausend Kilometer fahren und das alles ist gespickt mit (halten Sie sich an) 41 Schnitt- und Timing-Prüfungen. Es waren sechs verschiedene Schnitte vorgegeben (30, 35, 38,5 ,40, 45 und 50 km/h) und bei den beiden Rundstrecken-Prüfungen noch jeweils so um die 70 km/h. Bekommen haben wir die Aufgaben in der Früh am jeweiligen Tag (= Stress pur).
Ich möchte Sie nicht langweiligen mit den Einzelergebnissen auf den verschiedenen Sonderprüfungen. Sie müssen sich vorstellen, dass Sie z.B. mit 0,89 Sekunden Abweichung von der Idealzeit nach ungefähr fünf bis sieben Kilometer SP-Länge den 55. Platz belegen. Da es bei der Ennstal-Classic verboten ist, elektronische Hilfe wie Stoppuhren oder Wegstreckenzähler zu verwenden, sind die Beifahrer natürlich gefordert und müssen mit „Twinmaster“, mechanischen Stoppuhren, Schnitttabellen umgehen können. Eine sehr herausfordernde Aufgabe für jeden Copiloten. Mein Vetter hat das, von kleinen Fehlern abgesehen, ganz gut erledigt. Zwei Prüfungen haben wir sogar mit null Punkten geschafft (das heißt z.B. auf 7 km punktgenau auf die 1/10-Sekunde gefahren!).
Nach dem eher holprigen ersten Tag (Platz 92) war der zweite Tag eine Aufholjagt angesagt. Leider hat uns eine alte Dame mit ihrem Geländeauto einen Strich durch die Rechnung gemacht und hat uns mehr als fünf Kilometer nicht vorbeifahren lassen und so haben wir die volle Punktezahl „ausgefasst“. Am Ende des Tages war es dann der 80 Platz.
Am Samstag konnten wir uns auf der Bergprüfung „Stoderzinken“ und dem Stadt-Grand Prix in Gröbming noch um acht Plätze verbessern = im Endklassement war es dann der 72 Platz. Es war zwar nicht mein Wunschresultat, aber wenn ich die unnötigen Fehler wegrechne, wären es um ungefähr zwanzig Plätze besser geworden.
Aber wir haben nächstes Jahr bei der Ennstal Nummer 35 ja wieder eine neue Chance? Die Ennstal Classic 2026 war wie immer eine tolle Veranstaltung und den Spitznamen „Die Mille Miglia der Alpen“ trägt sie zurecht.
Am Start waren heuer sechs Lancia. Eine Ardea Bj.1952, zwei Aurelia B20 GT Bj.1955 u.56, Aurelia B24 Spider Bj.1956, Flaminia Touring Cabrio 2,5 Bj.1963 und mein Flavia Coupé 1,8 Pininfarina Bj.1964.
Helmut J. Neverla / 8.2026








