RAC-Rallye: Viel Freude im kalten und nassen Großbritannien

RAC-Rallye: Viel Freude im kalten und nassen Großbritannien

9 Sep, 2013

Was lockte Lancia im November nach Großbritannien? – Die RAC-Rallye

Mit vollem Einsatz trat die HF Squadra Corse mit allen verfügbaren Teams an, um Meisterschaftspunkte, Ehre und Bestätigung italienischer Technik zu erringen.

RAC-Rallye: 1975 - Waldegard/Thorzelius - wegen Zeitüberschreitung ausgeschieden

RAC-Rallye: 1975 – Waldegard/Thorzelius – wegen Zeitüberschreitung ausgeschieden

Im sechsten und letzten Teil meiner Artikelreihe reisen wir in der unfreundlichsten Jahreszeit mit Lancia nach Großbritannien, von wo große Erfolge nach Turin gebracht wurden.

Dass der November nicht immer nur trübe Aussichten bringt, zeigen die Ergebnisse der RAC-Rallye in Großbritannien. Von Berichterstattern, Zeitzeugen aber auch den Teilnehmern wurden die Veranstaltungen in den englischen Schlossparks und britischen Wäldern als Höhepunkte der Vor-Gruppe-B-Ära bezeichnet. Anfang der 1960er-Jahre „entdeckten“ die Veranstalter die privaten britischen Forststraßen als ideale Spielwiese für ihre Rallye – weg von der Straße, Vermeiden des dichten Verkehrs, „unbekannte“ Prüfungen in „schwerem Geläuf“, Versuch der Schaffung von Chancengleichheit für alle Teilnehmer durch „Untrainierbarkeit“ der Sonderprüfungen.

RAC-Rallye: 1966 - HF Squadra Corse mit einem Italiener (Leo Cella)

RAC-Rallye: 1966 – HF Squadra Corse mit einem Italiener (Leo Cella)

Über diese Rallye gibt es ausreichend Literatur, jedoch nicht in komprimierter, übersichtlicher Form, meist aus speziellen Blickwinkeln:

  • Hamilton/Campbell, RAC Rally Encyclopdia, 1992, 1-869833-10-4
  • Tony Gardiner, RAC Rally Action, 2005, 1-903706-97-1
  • Max LeGrand, RAC Rally, 2001, 1-86126-415-1
  • Collin Pitt, RAC Rally 1956 – 1981, 1999, 1-85155-133-3.
RAC-Rallye: 1968 - Aaltonen/Liddon - 1,6 HF als Prototyp - ausgeschieden

RAC-Rallye: 1968 – Aaltonen/Liddon – 1,6 HF als Prototyp – ausgeschieden

Seit dem “Ausweichen” in die britischen Wälder war mit wenigen Ausnahmen (Roger Clark) die RAC Rallye ein Domäne der Skandinavier, sie beherrschten das Fahren auf unbekannten Schotterstraßen auch mit Schnee und Eis perfekt, für die Kontinentaleuropäer blieben bestenfalls Ehrenplätze: Eric Carlsson, Tom Trana, Rauno Aaltonen, Stig Blomqvist, Simo Lampinen, Bengt Söderström – und Harry Källström. Gleich welches Auto – Renault R8 Gordini, Mini, VW 1500 oder Lancia Fulvia – Harry war immer unter den Ersten im Gesamtklassement finden. Aber auch Sandro Munari war nicht „feig“ und kämpfte erfolgreich für Lancia.

RAC-Rallye: 1968 - Källström/Haggbom mit der 1,3 HF - (warum wohl) ausgeschieden

RAC-Rallye: 1968 – Källström/Haggbom mit der 1,3 HF – (warum wohl) ausgeschieden

Es begann mit den zerbrechlichen HF Coupés 1966 – Leo Cella fiel aus, aber Ove Andersson kämpfte sich wie ein Löwe mit seiner zerbrechenden Fulvia, dem noch nicht professionellem Service auf Platz 7. (Siehe R. Klein/H. Deimel „Jahrbuch des Rallyesports 1980, Kapitel „Ove Andersson erinnert sich“).

RAC-Rallye: 1969 - Källström/Haggbom - der erste große Sieg der 1,6 HF

RAC-Rallye: 1969 – Källström/Haggbom – der erste große Sieg der 1,6 HF

Die Rallye wurde 1967 wegen Maul- und Klauenseuche abgesagt, 1968 fielen alle Fulvias aus – die noch nicht homologierten 1,6 HF in toller Besetzung (Aaltonen, Mikkola und Munari) genauso wie die homologierten 1,3 HF (Moss-Carlsson und Källström). Aber 1969 kam der langersehnte große internationale Erfolg für die endlich homologierte 1,6 HF – 1. Platz Källström/Haggbom und 3. Platz Fall/Liddon, der 1970 wiederholt werden konnte. Diesmal nach allem Pech der Erde für Källström/Haggbom mit Motorschaden und Havarie.

RAC-Rallye: 1970 - Kälström/Haggbom - noch mit dem ersten Motor und Aufhängung

RAC-Rallye: 1970 – Kälström/Haggbom – noch mit dem ersten Motor und Aufhängung

Damit war allerdings die Siegesserie zu Ende, 1971 und 1972 gab es nur noch Ehrenplätze durch Källström und Lampinen, der Frontantriebs-Vorteil war durch höhere Motorleistung und leichtere Handhabbarkeit der Hecktriebler (Alpine und Ford Escort) marginalisiert worden.

RAC-Rallye: 1972 - Källström/Haggbom - nur noch Platz 4 hinter Ford, Saab und Opel

RAC-Rallye: 1972 – Källström/Haggbom – nur noch Platz 4 hinter Ford, Saab und Opel

Mit dem Stratos wurde aber beherzt weitergekämpft, trotz toller skandinavischer „Söldner“ wie Waldegard und Alen aber kein Sieg erreicht. 1974 und 1975 kämpfte Simo Lampinen mit dem Gruppe-4-Beta Coupé und erreichte zweimal den 10. Platz.

RAC-Rallye: 1974 - Lampinen/Andreasson - Platz 10, Munari auf Stratos Platz 3

RAC-Rallye: 1974 – Lampinen/Andreasson – Platz 10, Munari auf Stratos Platz 3

Jahr Datum # Fahrer/Beifahrer Erg. Fahrzeug Typ
1966 19.11. 16 Cella/Sager

TO 791332 Fulvia HF
17 Andersson/Davenport

7

TO 791333 Fulvia HF
1967 19.11. 15 Toivonen/Tuikannen Abg. TO 900052 Fulvia 1,3
16 Munari/Harris Abg. Fulvia 1,3
19 Andersson/Davenport Abg. TO 953012 Fulvia 1,3
21 Cella/Barbasio Abg. TO 900049 Fulvia 1,3
1968 16.11.   3 Aaltonen/Liddon

TO A65743 Fulvia 1,6
  4 Munari/Philips

TO A65744 Fulvia 1,6
  5 Mikkola/Aho

 –

TO A65742 Fulvia 1,6
23 Moss-Carlsson/Nyström

TO 970373 Fulvia 1,3
25 Källström/Haggbom

TO 970370 Fulvia 1,3
1969 16.11.   2 Makinen/Easter

TO B51447 Fulvia 1,6
  7 Fall/Liddon

3

TO B51443 Fulvia 1,6
10 Munari/Davenport

TO B51446 Fulvia 1,6
12 Källström/Haggbom

1

TO B79056 Fulvia 1,6
1970 13.11. 14 Källström/Haggbom

1

TO B98534 Fulvia 1,6
21 Lampinen/Davenport

TO B51446 Fulvia 1,6
28 Munari/Nash

TO B79057 Fulvia 1,6
1971 20.11.   1 Källström/Haggbom

8

TO B51443 Fulvia 1,6
  7 Lampinen/Davenport

6

TO E51660 Fulvia 1,6
14 Munari/Mannucci

9

TO D20641 Fulvia 1,6
1972  2.11.   2 Källström/Haggbom

4

TO G75936 Fulvia 1,6
  8 Lampinen/Andreasson

5

TO G75937 Fulvia 1,6
1973 17.11. 16 Ballestrieri/Maiga

19

TO H25670 Fulvia 1,6
1974 16.11.   3 Munari/Mannucci

3

TO L52901 Stratos
11 Lampinen/Andreasson

10

TO L06635 Beta Coupé
19 Ballestrieri/Maiga

TO L06634 Beta Coupé
1975 22.11.   2 Waldegard/Thorzelius

TO M26363 Stratos
  8 Munari/Mannucci

4

TO L96275 Stratos
12 Lampinen/Sodano

10

TO L99084 Beta Coupé
16 Walfridsson/Jensen

TO L52902 Stratos
1976 27.11.   7 Munari/Maiga

7

TO L64137 Stratos
1977 20.11.   7 Munari/Sodano

25

TO N14328 Stratos
1978 19.11.   3 Alen/Kivimäki

TO L64137 Stratos
10 Munari/Sodano

TO P59745 Stratos
1979 18.11.   2 Alen/Kivimäki

5

TO N41648 Stratos
1980 16.11.   2 Alen/Kivimäki

TO N14329 Stratos
1981 22.11.   3 Alen/Kivimäki

TO N14329 Stratos
RAC-Rallye: 1974 - Munari/Mannucci Platz 3 beim ersten Antreten in England

RAC-Rallye: 1974 – Munari/Mannucci Platz 3 beim ersten Antreten in England

 

Ergänzung 1970: Keine Freude im sonnigen Schottland

RAC-Rallye: Scottish Rally 1970 - Källström/Haggbom - Schnellste, aber "ausgetrickst"

RAC-Rallye: Scottish Rally 1970 – Källström/Haggbom – Schnellste, aber „ausgetrickst“

Es gab in Großbritannien mehrere Rallyes, die nach diesem Konzept ausgerichtet wurden, diese waren allerdings in Europa kaum bekannt. Die Werke setzten aber ihre Spitzenfahrer bei diesen Wettbewerben ein, damit sie Erfahrungen auf den Inseln sammeln konnten: Volvo, Ford, Audi – gute Gelegenheiten die Fahrzeuge etwas weiter weg von der Öffentlichkeit zu testen und die abgesperrten Forststraßen für die RAC Rallye im Herbst kennenzulernen. So starteten im Sommer 1970 Harry Källström und Gunnar Haggbom bei der Scottish Rally, waren nach dem Ausfall von Roger Clark die Schnellsten, fassten aber nach einer Reparatur (die notwendigen Teile wurden aus einem Ausstellungsauto in Aberdeen ausgebaut) Strafpunkte auf der Strecke aus, über die „man“ diskutieren konnte. John Davenport kämpfte als Einsatzleiter – sein Chauffeur Simo Lampinen war wegen einer Operation noch nicht einsatzfähig – wie ein Löwe, der Fall ging bis Paris zur FIA. Aber erfolglos.

  • Literatur: Trevor Alder, Scottish Rally 1939 to 1973, 1999, ISBN: 1-85847-924-X

Mit diesem Rückblick auf die Rallyes in Großbritannien schließen wir unseren Jahreskreis – den Bericht über die TAP-Rallye in Portugal finden Sie in der Lancia-Rundschau des LCD –  es gäbe noch etwas über die innerfranzösischen Bewerbe, bei denen vor allem Claudine Bouchet-Trautmann und René Trautmann für sich (und Lancia) kämpften, zu berichten, aber darüber hat schon z.B. der Lancia Club Suisse in seinem Magazin „PRONTO 2/2012“ berichtet. Oder über die berühmte Langstreckenrallye Liège–Rom–Liège bzw. Spa–Sofia– Liège, das finden Sie in der Lancia-Rundschau 2/2012 des LCD.

RAC-Rallye: Stratos als SUV, nur etwas schneller!

RAC-Rallye: Stratos als SUV, nur etwas schneller!

Auch die East African Safari Rally, welche Lancia ab 1969 mit großem Einsatz – und bis zum Delta ohne ganz großen Erfolg – bestritt, wäre noch einen Bericht wert. Aber hierüber gibt bereits ausreichend Literatur in mehreren Sprachen, welche einen Bericht von mir eingeschränkt interessant macht.

Danke für Ihr Interesse an meinem Steckenpferd.

E. Marquart / 9.2013

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