Sag zum Abschied leise Servus zu 1000 Minuten

Sag zum Abschied leise Servus zu 1000 Minuten

13 Okt, 2007

Einmal „muss“ ein Ende sein! Fast alle 1000 Minuten Klassik Rallyes gefahren, am 8. Platz 1998 begonnen, am 53. Platz 2007  beendet – keine wirkliche Erfolgsgeschichte.

1000 Minuten Klassik 2007: Start-Nummer 26

Ich habe Sie in den letzten Jahren mehrfach mit Beiträgen zum Sport mit historisch wertvollen Automobilen gequält. Mein Wunsch, die Begeisterung aus der Rallyezeit der 1960er und 1970er Jahre in die Jetztzeit zu übertragen, führte zur vielfachen Teilnahme an Wettbewerben in Österreich und umliegenden Ländern. Mit meiner Fulvia 1,3HF habe ich seit 1996 einige tausend Kilometer „gleichmäßig“ zurückgelegt, war in schönen Ländern unterwegs, traf viele ähnlich interessierte Begeisterte, brachte einige Pokale und am Ende nur noch die Überzeugung nach Hause, dass auch in diesem Sport die Spezialisierung und Professionalismus eingezogen sind. Letztere machen amateurhafte Einsätze zunehmend unattraktiv.

Im Oktober 2007 fand die zehnte 1000 Minuten Klassik statt, als Jubiläumsveranstaltung vom Veranstalter RRC13 besonders gewissenhaft vorbereitet, herausfordernd für Teilnehmer und Organisation. Zwischen 1998 und 2004 hatte ich an allen Veranstaltungen teilgenommen, 2005 als familiären Gründen pausiert, 2006 in der Organisation mitgeholfen und 2007 nahm ich bei der Jubiläumsklassik wieder als Aktiver teil. Die Zeit ist nicht stehen geblieben, doch meine Fähigkeiten, die Fulvia ausreichend „gleichmäßig“ zu bewegen, damit erfreuliche Platzierungen erzielt werden, waren sichtlich stehen- und damit zurückgeblieben! Das soll kein Klagelied sein, sondern die Feststellung, dass ohne entsprechende Ausrüstung, Vorbereitung, Wissen über die „Parameter“, Routine durch laufende Teilnahme an Veranstaltungen, kein „Blumentopf“ mehr zu gewinnen ist.

Foto: Fritz Berger - www.bestmoments.at

Foto: Fritz Berger – www.bestmoments.at

Die „Zehnte“ war eine tolle Klassik Rallye mit allen wünschenswerten Attributen, Amateure hatten allerdings keine Chance in die Nähe des Spitzenfelds zu kommen. Die Dichte an der Spitze ist so eng, dass bereits 1/10-Sekunden-Abstände bei Sonderprüfungen als Welten erscheinen. Dieser Umstand stellt an den Veranstalter höchste Anforderungen: Streckenwahl, Kilometrierung, Zeitnahme, Datenübermittlung und Auswertung sowie laufende kritische Beobachtung der Messergebnisse, um technische Fehler frühzeitig zu erkennen. Die 2007 bei anderen Veranstaltungen bereits mehrfach eingesetzte GPS-Messung ohne Messstellen auf der Strecke weist physikalisch (zeitlich und räumlich) zu große Toleranzen auf, welche die notwendigen 1/100 Sekunden-Messungen nicht verlässlich erlauben.

Die Messstellen wurden daher in „traditioneller“ Weise im „Wald“ versteckt, die ausgewählten Straßen immer enger und kurvenreicher, um eine nachvollziehbare Differenzierung der Teilnehmer zu ermöglichen. Trotzdem lag das Spitzenfeld wieder ganz eng zusammen, teilweise nur wenige 1/100 Sekunden – wohin dreht sich die Spirale?

18 Sonderprüfungen über insgesamt 206 km, mit unterschiedlichen Schnitten, eingebettet in 35 Etappen, diese meist unter 40 km lang mit knapp 50 km/h Schnitt zu fahren, ergaben an den drei Fahrtagen große Herausforderungen, die von allen Teilnehmern mit Freude angenommen wurden. Bei meist strahlendem Herbstwetter wurden im Tullnerfeld, Alpenvorland und Waldviertel ca. 900 km zurückgelegt – Rauno Aaltonen erwähnte mit Freude, dass die 1000 Minuten Klassik die Veranstaltung sei, die den früheren Rallyes am ähnlichsten ist. In diesem Sinne dankten die Gewinner, Nichtgewinner und anderen Teilnehmer dem Organisationsteam um Kurt Sassarak. Andere Bewerbe mögen markige Sprüche als Logo haben, die 1000 Minuten Klassik spricht für sich.

Um zum „Abschied“ zurückzukommen: Ich habe die „Zehnte“ ohne Pönalisierung absolviert, die erreichten Zeiten und Positionen werden besser verschwiegen, es waren drei herrliche Fahrtage – eine Steigerung erscheint unwahrscheinlich, daher sage ich zum Abschied mit einiger Wehmut leise Servus.

Die Rallyetafel Nr. 17 ist das Original aus 1971 - Neverla/Audetto

Die Rallyetafel Nr. 17 ist das Original aus 1971 – Neverla/Audetto

Die Lancia-Beteiligung, es nahmen drei Fulvias teil: eine 1,3HF, eine Safari und eine Fulvia 3. Am zweiten Fahrtag war eine 1,6HF als Vorauswagen unterwegs.

E. Marquart / 10.2007

Als Nachtrag in eigener Sache nochmals der Hinweis auf das Buch, das zur 10. 1000 Minuten Klassik im Verlag Brüder Hollinek www.hollinek.at erschienen ist. Der Verleger hat als Werbeträger an der Rallye teilgenommen – und nicht nur als fahrende Reklametafel! Zweiter Platz in der Klasse bis Baujahr 1976, eine ähnliche Platzierung hätte sich der Autor auch gewünscht, doch – siehe oben.

Mehrzweckfahrzeug Fulvia 3 - "Gleichmäßiger" Werbeträger

Mehrzweckfahrzeug Fulvia 3 – „Gleichmäßiger“ Werbeträger

Ernst Marquart's Werk "Wie breit sind 1000 Minuten?"

Autor: Ernst Marquart
Ausstattung: 240 Seiten, 19 x 26 cm, Hard-Cover, 201 Abbildungen
Erscheinungsjahr: 2007
ISBN: 978-3-85119-309-1
Preis: € 49,00

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