Holidays on Ice?

Rasch, bevor der Winter kommt ein Bericht von Peter Pech aus unserem Archiv –


2. Fahrtag – Auffahrt zur Planai

Lancianews ist hartnäckig bei der Dokumentation des Sports mit historischen Automobilen, weil die wenigstens teilweise artgerechte Bewegung einen großen Teil der Freude mit diesen ausmacht. Helmut Neverla hat 2009 bereits von der Planai-Classic berichtet und Fulvia HF1600-Eigentümer Peter Pech „mußte“, ob er wollte oder nicht, auch einen Bericht verfassen, den wir ungekürzt wiedergeben, weil er so hautnah und treffend Aufgaben, Spaß und Zusammenleben im Auto und mit den Veranstaltern schildert. Das Fotomaterial kann nur in einem geringen Maße die Eindrücke so zeigen, mehr Fotos haben wir leider nicht auftreiben können. So gilt der umgekehrte Spruch: Ein toller Bericht sagt mehr als ein paar verwackelte Bilder! Viel Vergnügen und herzlichen Dank an Peter Pech.

Gezwungenermaßen dem Druck der Zuhausegebliebenen nachgebend habe ich mich an meinen PC gesetzt, um für die Stubenhocker einen Bericht über meine Winterreisen im Jänner 2009 zu verfassen. Sie finden unter „Drivers Journal“ bereits einige meiner Berichte aus den letzten Jahren über die Planai-Classic, Wintertourenfahrt und Wald4tel-Classic – Bewerbe für historische Automobile, bei denen die „Gleichgültigkeit“ (Copyright by Peter Landrichter) nur ein Kriterium für gute Platzierungen ist, aber nicht das einzige.

Im Jänner 2009 war ich ein vielgesuchter Co-Pilot, ein schlechter Ruf verpflichtet sichtlich, weil meine Fulvia verdienterweise Winterschlaf hält, Salz scheut und gute Beifahrer echte Mangelware sind. Würde mich mein Beruf nicht so ausfüllen, könnte ich mir überlegen, ob ich nicht als Teilzeitkraft von den Klostersuppen der Veranstalter leben könnte – oder von geschmalzenen Honoraren als Schreiberling auf Online-Portalen!?
Planai Classic 2009 – „Der Co-Pilot als Ballast!?“

Der Winter begann eher überraschend, als mich Michael Münzenmaier aus Deutschland ansprach, ob ich mit ihm in einem Jaguar MK II ins Ennstal fahren wolle, um mit ihm die Planai Classic 2009 zu bestreiten. Endlich einmal ein angemessenes Fahrzeug, komfortabel, ausreichend motorisiert, mit Sitzheizung nachgerüstet….
Neu für mich war, dass Michael mit seinem selbst erfundenen Tachymaster fahren wollte. Dabei handelt es sich um eine Uhr, die aber keine Zeit anzeigt, sondern Entfernungen (Soll- Kilometer (Meter) vorgibt. Durch eine speziell justierte Unruhe wird, je nach Modell für 30, 40 und 50 km/h) der Soll-Stand der Entfernung vorgegeben. Eine exakte Eichung des Wegstreckenzählers ist natürlich wie immer zwingend erforderlich. Daher empfiehlt sich das Studium (mindestens 8 Semester) des Abrollumfangs der Reifen bei wechselnden Temperaturen und Luftdrücken. Wie bei analogen Uhren gewohnt, kann mit einem Schleppzeiger nun die Messung der Entfernung erfolgen. Sprich die Synchronisation mit dem Wegstreckenmesser (Halda, Retro-Trip, Rallye-GTI Twin, etc.) vorgenommen werden. Durch den Wegfall von Schnittlisten ist es mit dieser Uhr (wird bereits von Hanhardt gebaut!) möglich, alle 50 Meter eine genaue Aussage (in Meter!) zu tätigen – und das hilft natürlich enorm, um möglichst gleichmäßig in der Landschaft herumzurutschen! Michael fährt derartig präzise, dass ich einmal auf eine Entfernung von 3,7 Kilometer keine Abweichung feststellen konnte – wozu also noch einen Beifahrer? Sprechender Ballast?

Die Sonderprüfungen waren in gewohnter Manier: Trabrennbahn in Gröbming- Training mit Festlegen einer selbstgewählten Referenzzeit, danach eine Wertungsrunde, die möglichst auf Hundertstel genau gefahren werden sollte. Dabei macht der liebe Helmut Zwickl natürlich auch etwas sehr Vernünftiges: Er fasste die Fahrer nach den gesetzten Zeiten in den passenden Gruppen zusammen – so werden nach dem gestaffelten Start die Abstände eingehalten und es kommt zwischen den immer vier gleichzeitig startenden Fahrzeugen keine Behinderungen zustande. Wir haben bei dieser SP (Sonderprüfung) 9 Hundertstel Abweichung zu unserer gesetzten Zeit eingefahren – und das mit analogen Uhren – waren damit aber nur Dritte in unserer Gruppe und gesamt nur am 10. Platz – sprich die Luft wird immer dünner – selbst bei „analogen“ – Veranstaltungen wird mittlerweile auf einem unglaublichen Niveau gefahren. Wohin führt diese Präzision in den nächsten 1 bis 2 Jahren?

Es folgten jede Menge Schnittprüfungen – Bergauf und Bergab – in gewohnter Umgebung, mit angenehmen Stops dazwischen – ich sage nur: Konditorei in Schladming, eine heiße Schokolade und ein kleines Torterl dazu – angefrorenes Herz, was willst Du mehr? An dieser Stelle muss ich mich an das Ehepaar Baier erinnern, die sind mit einem Vorkriegsauto die gesamte Veranstaltung OFFEN gefahren… – mir wird schon kalt wenn ich nur dran denke! Arme Margot – ein selbst gewähltes Schicksal – und dieses Paar ist wahrlich zu bewundern..!

Zum Schluß des Nachtprologs folgte eine Timingprüfung in das Zentrum von Gröbming – auch diese hatten wir sehr gut bestanden und alle warteten bei Speis- und Trank im Hotel St. Georg gespannt auf das Zwischenergebnis: nach dem ersten Tag waren wir auf Platz zwei – einige Differenzen waren erklärbar, einige weniger- im ganzen hat es jedoch gepasst.

Aber wir hatten beim Schnittfahren auch einen „Nuller“ und somit wussten wir, dass wir am richtigen Weg sind. Mit sechs Zehntel nach vorne und sechs Zehntel nach hinten, sollte eigentlich nichts mehr passieren können – aber wie heißt es so schön: „..to finish first, you have to finish first!“ (es handelt sich dabei eindeutig um ein Finnisches Sprichwort!). Die Timingprüfung am nächsten Tag auf die Planai hinauf haben wir gewaltig „versemmelt“ (1,69 Sekunden Differenz) und wir wurden auf den tadellosen 5. Platz durchgereicht. Es war leider kein Tag für Künstler!

Dennoch war ich von der Präzision von Michaels Fahrweise und dem Tachymaster sehr begeistert und angetan, mal sehen, ob wir heuer nicht gemeinsam die Ennstal Classic in Angriff nehmen werden… – „…never change a racing team..!“

Ergebnisse, Fotos: http://www.ennstal-classic.at/default.aspx?Lng=2&PageId=74


Hätten sie doch die Fulvia genommen, die Hollineks …

Wintertourenfahrt 2009 – „Kunstflug im Wein4tel“

Eher weniger überraschend war die Einladung von Peter Landrichter, der einen sonst zuverlässigen Volvo 123 GT in unkonsistentem Zustand belässt, um erst in letzter Sekunde entscheiden zu müssen, ob er die Nennung bei einer Veranstaltung auch wahrnehmen kann. Sein vorgesehener (und normalerweise mein) Beifahrer, Stefan Hommel, hatte sich einer Grippe ergeben und fiel leider aus – so wurde ich schnell verpflichtet.

Die Wintertourenfahrt im Wein4tel hat sich in den letzten Jahren einen guten Ruf erworben, weil sie Anforderungen auf winterlichen Straßen stellt, die mit einigem Kalkül und Routine erfüllt werden können, und dabei viel Spaß bieten.


Wer suchet, der findet – Winter im Weinviertel!

Eigentlich ist ja der alte Schwede ein Winterauto mit Heizung, heimelig und stabil. Doch der Sport verlangt Askese, Härte und das Setzen von Prioritäten. Das beginnt mit der Ausrüstung im Innenraum – Sicherheit geht vor Komfort, führt über die Vorbereitung und Ausstattung für Eventualitäten – no risk, no fun, bis zu ….

Peter Weilharter, der „übliche“ Co-Pilot von Peter Landrichter, ist ein „zartes Henderl“ – der Schalensitz ist mir um zwei Nummern zu klein – so „festgesetzt“ im Cockpit, wird jede Bodenwelle zum SM-Erlebnis..! Zumindest stelle ich mir das so irgendwie vor.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte das „Chaoten-Team Peter & Peter“ mal wieder die liebe Not den Twin-Master richtig zu eichen. Aber auch dieses Hindernis wurde mit Bravour gemeistert. Allerdings blieb zu unserer Freude der Twin-Master unmittelbar nach dem Start hängen und wir fingerten am Weg zur ersten SP (Startzeit plus 10 Minuten) gewaltig an dem Ding herum. Von bereits zwei anderen Teilnehmern überholt (2 Minuten Verspätung!), konnten wir aber dennoch den Start zur ersten SP ca. 7 Sekunden vor unserer Soll- Einfahrtszeit erreichen. Peter Landrichter hat alle Register gezogen und die Strasse wurde ein schmaler Strich vor meinen Augen.

40 km/h Schnitt nach Roadbook – auf einem Güterweg! Klingt ja nicht wild, war es aber! Der Schnitt war durch die Strecke, das Eis und die Abzweigungen kaum „erfahrbar“ und wir wussten einmalig auch nicht, ob wir dem ersichtlichen Verlauf der Strasse folgen mussten, oder doch in einen Garten abbiegen müssen – eine eindeutige Roadbook-Erstellung ist nicht jedes Veranstalters Stärke!

Aber wir hatten Glück, die Messungen waren bereits hinter uns und halbwegs in der Soll-Zeit passiert. Es folgten unzählige Vollgas-Etappen und ich verlor mich absichtlich in die unendlichen Tiefen des Roadbooks, um nicht die sehr schnell vorbei huschende Landschaft betrachten zu müssen. Da draußen huschte einiges an Harthölzern vorbei, auch genügend Rot- und Niederwild kreuzte unsere Wege. Aber Peter hat sich in den letzten Jahren stark verbessert, dem Hinweis „wir sind in einem Ortsgebiet“ wird anstandslos Folge geleistet und die STVO bedingungslos eingehalten. Und Überland gelten ja ohnehin 180 kmh als V-max – aber nur wenn Schnee & Eis vorhanden ist – oder muss ich zur Nachschulung?


Slalom ist richtiger Wintersport

Leider gab es heuer nur drei Sonderprüfungen – die zweite war kurz vor der Mittagsrast, nicht einsehbar von der ZK davor und als Slalom ausgelegt. Gemäß den Vorgaben durften keine Hüttchen umgefahren werden – also „blind“ in den Parcour, eine vereiste Wiese vor uns, 12 Sekunden am Timer voreingestellt und schon zählte uns der SP-Starter ein. Und los! Irgendwie haben wir dabei übersehen, dass uns sehr bald „die Zeit ausgehen wird“ – aber keinesfalls das Talent! Und das dem „Landi“! So haben wir doch um sechs Sekunden mehr Zeit gebraucht, als eigentlich vorgesehen. Aber es war für alle gleich –  und „..die Wies`n was very slippery..“!!

Gestärkt ging es nach dem Mittagessen im Kunstflug weiter – es folgte eine weitere SP mit einem normalerweise „lächerlichen“ Schnitt von 46 kmh – „lächerlich“ aber nur, wenn nicht gerade „Winter“ als Jahreszeit voreingestellt ist! Viele Abzweigungen, manche auch steil nach hinten und bergauf – eine echte „Challenge“, selbst für ein eingespieltes „Kunstflug-Team“! Wir fuhren fast stets „hinter dem Schnitt“ – der Rekord war mal „14 Sekunden zu langsam“ – und es war wirklich schwierig, den Rückstand wieder wett zu machen.

Peter ist aber ein ungemein angenehmer Fahrer – er ist zwar mit Ehrgeiz bei der Sache, nimmt Rückschläge aber sehr gelassen hin. Selbst ich habe zweimal „zu schnell“ mit „zu langsam“ verwechselt (bei Frauen gilt das meist für „links und rechts“) – aber er hat es mir nicht nachgetragen – nur nachgeworfen!


Auf dem Weg nach Monte Carlo

Für Peter Landrichter war die Wintertourenfahrt die Generalprobe für die Monte Carlo Historic Ende Jänner 2009, Start in Turin, Ziel in Monte Carlo nach mindestens 5.000 Kilometern!

Wir hatten genügend „Grip“, der „Ground-Speed“ passte und die „Pace“ war okay! Mit anderen Worten: wir hatten jede Menge Spaß! Das Ergebnis war eher nebensächlich und ich hatte einiges zum Nachdenken mit nach Hause genommen.

Ergebnisse und Fotos: http://wintertourenfahrt.gronefoto.com/Home.html

Wald4tel Klassik 2009 – oder: „Quo vadis Rallye-Strecke?“


Winter = Waldviertel = Volvo = Andy Starkmann und andere Elche

Wenn Andy Starkmann und Gerhard König ins Yspertal, nach Ysper zum Rallyefahren rufen, kommen keine „Warmduscher“ und „Schattenparker“, weil die Differenzen zu den Vorgaben fast in Viertelstunden gemessen werden können und das geschickte Abwägen, welche Anforderung man im Sinne des Gesamtergebnisses NICHT erfüllt, neben Fahren auf winterlichen Straßen den Hauptreiz ausmacht.

Diesmal saß ich ein einem Erfolgsmobil der Pre-Wedeking-Ära, als VW-Konstruktionen zwar aus dem Hause Porsche kamen, aber noch nicht durch Direktions-Overhead belastet waren. Ein „schlichter“ Käfer aus gutem niederösterreichischem Haus mit einem einschlägig geprägten Chauffeur, dem lieben Peter Muschawek. Auch bekannt als „Käfermeister Peter“ und als begnadeter Schrauber am „heiligen Blech“ aus Wolfsburg.

Ich reiste berufsbedingt leider erst sehr spät an und war an diesem Freitag-Abend etwas KO von etwas zuviel Arbeit, aber guter Dinge und richtig gehend „geil“ auf die Veranstaltung. Ich mag diese extremen Bedingungen und die ausgesuchten, aber auch wirklich fein selektierten „Gemeinheiten“ des Veranstalters. Schon alleine Andys Grinsen, jedes Mal bei einer „seiner“ ZK`s zu ersehen, ist eine wahre Quelle an Freude – so sehen zufriedene Sadisten aus!

Es war wie immer ein nettes Zusammenkommen („Rallye“) im Gasthof von Andy Starkmann und man hat sofort „die üblichen Verdächtigen“ erkannt und angetroffen. Wie bei einer Sternfahrt kamen die Teilnehmer aus allen Himmelsrichtungen – sogar aus Deutschland waren Leute angereist. Ein buntes Starterfeld, tolle Autos und eine Menge an Spannung waren zu spüren. Es wurde an allen Ecken noch geschraubt und probiert, die Referenzstrecke besichtigt und die Tanks und Reservekanister befüllt. Es wurde immer später und die Strassen immer glatter!

Manchmal stelle ich mir selbst die Frage: warum machen wir das eigentlich? Wir könnten mit einem guten Buch / einer guten Flasche Wein zu Hause gemütlich vor dem Kamin sitzen und die angenehmen Dinge des Lebens genießen – nein, wir fahren mit unseren alten Kisten durch Nacht und Wind, auf der Jagd nach Sekunden / Minuten und der richtigen Strecke. – Eigentlich kann ich mir diese Frage selbst sofort beantworten: Man(n) muss nur die Prioritäten im Leben richtig setzen!


Professionelle Betreuung durch den Veranstalter – Fährtenhund

Gestärkt von Andys Küche folgte eine kurze Fahrerbesprechung – Gerhard König hatte uns auf die wichtigsten Dinge hingewiesen („..die Räder des Autos sollten immer nach unten zeigen..“ hörte ich da..!).  Was steht uns heuer bevor? Wie im letzten Jahr wurden wir bei der Nachtetappe noch etwas „geschont“ – wobei Andy diesen Begriff vollkommen anders definiert als unsereins – und wir „durften“ noch nach Chinesenzeichen in die Dunkelheit der Nacht entschwinden.

Der Start war wie gewohnt auf dem Parkplatz der Freiwilligen Feuerwehr in Ysper – der Ausdruck „Eislaufplatz“ wäre treffender gewesen. Nachdem wir die Götter des Glatteises mit Spikes zu überlisten versuchten, gingen wir dennoch die erste Etappe (Start um 22:01 Uhr) sehr vorsichtig an. Es war nur sehr schwer zu erkennen, wo es „nur“ eisig oder wo es komplett glatt war. Diese Mischung an Fahrbahnbeschaffenheiten machte die Fahrt doppelt spannend.

Eigentlich lief alles ganz gut – die Etappen waren sehr, sehr knapp bemessen und ich musste leider manchmal den Ausspruch tätigen: „..noch 13 km bis zum Etappen-Ende – und (nur) noch 9 Minuten – plus die eine Minute, die wir sonst eigentlich nicht nutzen wollen..“. Solche Aussagen liebt jeder Fahrer ungemein! Und das Ganze in dunkelster Nacht, irgendwo am Bärenkopf, auf Güterwegen und anderen „Fahrwegen“ – auch dieser Begriff wurde neu definiert – Andy, wir stehen wirklich auf Deine Veranstaltung!

So erleben bei dieser Veranstaltung auch wirklich erfahrene Teams die Demütigung „durch Minuten“ – glaubt mir, das bildet den Charakter! Und auch so manche kleine Sternfahrt wurde durch einen kleinen Fehler im Roadbook (nach 3,47 km rechts – Richtung Schönfeld abbiegen – richtig wäre gewesen: nach 0,47 km rechts in Richtung Schönfeld abbiegen) erlebt. Das Gemeine bei diesem Fehler war, das die folgenden beiden Bilder auch irgendwie gepasst haben und wir plötzlich in der Ortschaft Arbestal vor einer T-Kreuzung standen, vor einer hämisch reflektierenden Stopp-Tafel – und diese Kreuzung war definitiv nicht im Roadbook verzeichnet! Vor uns drei Autos, hinter uns die Karawane der „Verirrten“. So begann die Sternfahrt auf der Suche nach der einzig wahren Strecke – leicht gesagt, mehrfach positiv absolviert, aber nicht an diesem Tag! Durch die vielen Kreuzungen und örtlichen Begebenheiten war es nicht einfach den Weg retour ins Roadbook zu finden.

Es folgte eine unglaublich lustige Irrfahrt. Autos blieben hängen, kreuzten mehrfach unseren  Weg, kamen im Retourgang aus Güterwegen, erkundeten Zufahrten zu Gehöften und lernten Land und Leute kennen. Das ist das Schöne an unserem Hobby! Beifahrer diskutierten, suchten in der Landkarte den Weg zur nächsten ZK, telefonierten mit dem Veranstalter usw.

Auch manch ein Anrainer war von unseren Darbietungen derart begeistert, dass sogar die Polizei zum Veranstalter geschickt wurde. Diese haben ihm die frohe Kunde einer Beschwerde überbracht – aber nicht von den Teilnehmern wohlgemerkt! Doch unser „lieber“ Veranstalter erbarmte sich unserer kläglichen Leistung und half uns aus dem Schlamassel – wir wurden von ihm aufgelesen und zur nächsten ZK gebracht. Allerdings waren von den ursprünglich ca. elf Autos nur mehr zwei übrig – Team Brachinger / Schlager – wo war der Rest hinverschwunden? Von einem neuen Schwedenblech angeführt, rutschten wir auf den spiegelglatten Strassen in Richtung der Ortschaft LOHN (klingt gut!), um dort eine neue Startzeit zu erhalten und unsere Reise durch die Nacht fortzusetzen.

Was ich anfangs vergessen habe zu berichten: Andy hat uns auch heuer wieder mit sogenannten „Baumaffen“ kontrolliert. Das sind Aufsteller mit Buchstaben, die auf einer speziellen Bordkarte in der richtigen Reihenfolge einzutragen sind. Es darf daran nicht abgeändert werden und die Zeichen gehören einfach in der Reihenfolge ihres Erscheinens dokumentiert. Das Auslassen eines dieser Zeichen kostet so viele Strafpunkte wie eine Minute Verspätung in der ZK! So kann unser Veranstalter kontrollieren, dass wir auch wirklich auf den „Fahrwegen“ unterwegs waren, die er vorher mit den Tieren des Waldes ausgesucht hat.

Es folgte eine Glatteispassage der nächsten, wir sahen zivile Verkehrsteilnehmer ohne Spikes an den Steigungen des Wald4tel scheitern, Waldwege mit kleinen Bachrinnen an der Seite – in denen man mit einem VW- Käfer auch gut hängen bleiben kann – Strassen ohne Wiederkehr, Teilnehmer, die von plötzlich auf die Strasse springenden Bäumen kurzfristig aufgehalten wurden, und anderen Erlebnissen, die ich hier nicht näher schildern kann, da ich diese bereits erfolgreich verdrängt habe, um wieder ruhig schlafen zu können.

Unsere Zieleinfahrtszeit war gegen 03:00 Uhr morgens – und wir waren wirklich froh diese Herausforderung ohne Blessuren überstanden zu haben. Die Scham von „eingefahrenen Minuten“ drückte sehr auf`s Gemüt und wir „leckten unsere Wunden“ bei einer sensationellen Gulaschsuppe, ein par kühlen, blonden Bieren und jeder Menge Benzingesprächen.


Wo Käfer so hinkrabbeln …

So erfuhren wir auch, das Erik Skreiner einen speziellen „Versuch“ mit seinem wunderschönen VW-Käfer unternommen hat: Er wollte einen Stunt-Klassiker nachstellen und hat für diesen Versuch sein Auto auf einer Leitplanke geparkt und dabei die Hinterräder des kleinen Autos über der Schlucht baumeln lassen! Nichts für schwache Nerven – aber so etwas kann einen erfahrenen Trail-Fahrer keineswegs erschüttern! Gerd Pierer eilte umgehend zur Hilfe und stellte sich sicherheitshalber auf die Stoßstange des kleinen Autos damit die beiden Piloten aussteigen konnten! Schnell war auch ein netter Bauer gefunden und das kleine Auto wieder mit allen vier Rädern auf den eisigen Asphalt gestellt. Leider wurde auch noch ein Plattfuß rechts vorne diagnostiziert, aber die Reise konnte zumindest noch bis ins Ziel fortgesetzt werden.

Endlich ins Bett – ein überheiztes Zimmer, 8 Tonnen schwere Augenlieder. Um 08:30 Uhr war schon wieder Tagwache (habe ich eigentlich geschlafen?) und ein Frühstück motivierte mich zum Weiterleben.

Wie unser Fahrtleiter Gerhard König dann beim Frühstück den Teilnehmern mitteilte, erfolgt der Start wieder beim Haus der Freiwilligen Feuerwehr, um genau 10:00 Uhr. Ich hörte Rufe wie “Sadist“ und „Menschen-Schinder“ von anderen Teilnehmern, aber vielleicht unterlag ich da einer akustischen Täuschung..!?


Weitgereist und duchtrainiert: Manfred Pledl/Editz Lutz

Draußen waren wieder hektische Tätigkeiten der Teams zu beobachten, Racetape wurde zum Einsatz gebracht, Autoflächen geputzt und als Scheiben identifiziert, Reifen gewechselt, Spikelängen diskutiert – die übliche Spannung lag über dem Teilnehmerfeld. Und die Ungewissheit, was die Kerle sich für heute wieder alles ausgedacht haben! Wir wussten, dass uns einige Navigationsübungen bevorstanden – wir ahnten ähnlich knappe Etappen wie am Vorabend, wir fürchteten die ausgesuchten „Fahrwege“, die teilweise eher als „Wildsteige“ zu bezeichnen waren, und die „stumme Wächter“, die wieder in Startkarten einzutragen waren.

Es kam, wie es kommen musste: wir begannen mit normalen Chinesenzeichen und hatten unsere liebe Not, die vorgegebenen Zeiten einzuhalten. Nun folgte die erste Navigationsübung: „der Kartenwurm“ (eher der Gattung der hinterhältigen Schweine zuzuordnen!). Die Einfahrt in diese „Etappe“ war klar – allerdings konnten wir uns in der mitgeführten Landkarte nicht wiederfinden – also „streng nach Vorgabe“ = „Kartenwurm“. Die ersten hundert Meter kein Problem, auch nicht die folgenden, eingezeichneten Serpentinen. Aber dann: ist das jetzt auf dem „Kartenwurm“ eine Abzweigung oder nicht? Wir dachten es sei eine und begannen mit einem Lancia-Team eine Irrfahrt vom Allerfeinsten! Wir haben jedes Gehöft dieser Abzweigung kennen- und die Eisplatten auf den Strassen fürchten gelernt! Wieder zurück auf die Ausgangsstrasse – wo sind wir? – keine Ahnung – alles was folgte, sah anders aus, als auf dem „Kartenwurm“ eingezeichnet! Solche Situationen lieben Beifahrer über alles!

Wir wählten dann die Variante: „wir fahren direkt zum Etappenziel“ und haben dafür als Belohnung 20 Minuten Fehlzeit und auch noch jede Menge Strafpunkte für ausgelassene „stummen Wächter“ kassiert.

Die nächste Orientierungsfahrt fiel uns wesentlich leichter und wir stießen dabei mehrfach auf das uns gut bekannte Team Weckerle / Neger. Die beiden auch auf VW-Käfer unterwegs, lieferten sich mit uns eine wilde Orientierungsfahrt. Mal fuhr der eine vorne, dann der andere – es gab ja jede Menge „Falsch-Abzweiger“ oder kurze Momente der Unsicherheit. Auch diese Fahrt war am Anfang, bevor wir das bekannte Team trafen, sehr „spannend“, unsere Karte harmonierte nicht mit der Karte des Veranstalters und wir suchten die Einfahrt in eine bestimmte Strasse relativ lange. Es ging von einem Güterweg zum nächsten und immer wieder zum nächsten, vorgegebenen und in die Karte des Veranstalters eingezeichneten Pfeil, über den die Strecke gefahren werden musste. Aber auch diese Prüfung meisterten wir und fuhren gemeinsam die Etappe zu Ende. Wir hatten es diesmal sogar geschafft, unsere Leistung zu verbessern: „nur“ 21 Minuten Abweichung zur vorgegebenen Zeit, dafür hatten wir aber alle Buchstaben am Weg richtig eingetragen gehabt.

Herz, was willst Du mehr?

Es folgte eine angenehme Mittagspause an der Trabrennbahn. Dort mussten die Fahrer zwei Runden (stehender Start) in exakt zwei Minuten absolvieren. Die Beifahrer durften sich inzwischen am Buffet stärken und damit für einen besseren Grip sorgen.


Galopp auf der Trabrennbahn

Nach der Mittagspause folgten Übungen mit verdrehten Chinesenzeichen, die in die richtige Stellung (gespiegelt / gedreht/ etc. gebracht werden mussten. Die Reihenfolge habe ich brutal mit einem roten Stift neu eingetragen und die jeweilige Entfernung (von Zeichen zu Zeichen) anhand der immer nur als Gesamtkilometer angeführten Entfernung errechnet und ebenso dazu vermerkt. Durch dieses klare Vorgehen war diese SP eigentlich ganz leicht zu fahren, aber auch hier erkannten wir wieder sehr schnell, wie knapp die Etappen angelegt waren. Andys Sadismus kannte doch Gnade mit uns – er führte uns in zwei weiteren  Etappen sicher und ruhig nach Ysper ins Ziel.

Wir konnten einen 9. Platz einfahren und freuten uns sehr, ganz und überhaupt im Ziel angekommen zu sein. Die Sieger-Verherrlichung fand wie gewohnt mit einem tollen Feuerwerk statt. Danach haben wir das unterwegs erlegte Wild gegrillt und verspeist! Spaß beiseite, Andy Starkmann hat uns einen sensationellen Truthahn mit Semmelfüllung und Rotkraut serviert – ich beginne heute noch zu sabbern, wenn ich nur daran denke!


Matthäus und Konrad Russegger, bereits Stammgäste im Wald4tel

Es war auch heuer wieder eine unglaublich schwierige (Eis, Nacht, Navigation, knappe Etappen) Veranstaltung – wehe ihr ändert auch nur irgendwas an der Charakteristik! Wir kommen gerne auch 2010 wieder zu Euch ins Wald4tel.

Danke für die tolle Veranstaltung!

Fotos und Ergebnisse unter: http://www.w4rc.at/Seiten/index.html

Peter Pech / 1.2009


Auch die breiteste Straße kann einmal schmal werden …

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage *

Download mp3