Sir Stirling Moss 1929 – 2020

Sir Stirling Moss 1929 – 2020

12 Apr, 2020

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An dieser Nachricht konnte ich im Ausgedinge von lancianews doch nicht vorbeigehen. Heute kam in allen Medien die Mitteilung, dass Sir Stirling Moss im Alter von 90 Jahren nach langer Krankheit verstorben sei.

Sir Stirling Moss 1929 – 2020 – Marathon de la Route 1968 vor dem Start in Lüttich

Nachdem sich „naturgemäß“ ein großer Teil der Beiträge von lancianews in den letzten Jahren mit Nachrufen zu beschäftigen hatte, folgt hier ein kurzer Rückblick auf die kurze Zusammenarbeit von Stirling Moss mit Lancia in den Jahren 1968 und 1969. Es waren nur zwei Wettbewerbe, in welchem der profilierteste „Nicht-Weltmeister“ am Steuer einer Fulvia 1,3 HF saß.

Stirling Moss‘ jüngere Schwester Pat, seit 1963 verheiratet mit dem schwedischen Rallyefahrer Erik Carlsson, war nach erfolgreichen Jahren mit BMC, wenig erfolgreichen Jahren mit Ford und beeindruckenden Erfolgen neben ihrem Mann auf Saab 96, im Herbst 1967 von Cesare Fiorio für die HF Squadra Corse angeworben worden, Ab Jänner 1968 fuhr sie mit Fulvia 1,3 HF – siehe Nachruf in der Rubrik „News“ – mit erfreulichen Erfolgen die europäische Rallyesaison. Die geschwisterliche Referenz und Cesare Fiorios Weitblick gelangen es Bruder Stirling, der nach seinem schweren Unfall in Goodwood 1962 nicht mehr bei Rennen startete, aber der Szene verbunden blieb, für einen Wettbewerb der besonderen Art zu verpflichten.

Sir Stirling Moss 1929 – 2020 – Marathon de la Route 1968 – flotte Spazierfahrt

 

Stirling Moss war zu Beginn seiner Karriere auch internationale Rallyes wie Monte-Carlo und Coupe des Alpes mit Sunbeam-Wagen gefahren. Er war auch einer der drei Gewinner eines goldenen Coupe d’Or für dreimaliges strafpunktefreies Erreichen des Ziels in dieser französischen Veranstaltung. Ein ähnlich renommierter Bewerb war die Langstreckenrallye Liège-Rom-Liège, später Liège-Sofia-Liège, gewesen, die allerdings 1964 wegen Inkompatibilität Rallyesport auf öffentlichen Straßen das letzte Mal veranstaltet werden konnte. Der belgische Veranstalter wich 1965 auf den Nürburgring aus, wo 84 Stunden mit einem rallye-ähnlichem Reglement auf Nord- und Südschleife zu fahren waren.

Sir Stirling Moss 1929 – 2020 – Marathon de la Route Innes Ireland Partner von Moss

1968 startete Lancia erstmals bei diesem Bewerb – Marathon de la Route – mit zwei Fulvias 1,3 HF. Im Wagen TO 953014 saßen Harry Källström/Sandro Munari/Raffaele Pinto, im Wagen TO 970370 saßen Innes Ireland/Stirling Moss/Claudio Maglioli. Der Start der beiden ex-Formel 1-Fahrer Moss und Ireland ergab natürlich entsprechende Werbewirkung für Lancia. Und die beiden Herren, die den Nürburgring viele Jahre mit Rennwagen aller Art gefahren waren, machten sich einen großen Spaß zu Beginn des Marathons. Da sollten die letzten 12 Stunden in derselben Geschwindigkeit wie die ersten 12 Stunden gefahren werden – was die beiden Herren allerdings eher wenig kümmerte. Sie lagen nach einem Drittel des Rennens auf Platz 2, als die Getriebeaufhängung brach und sie aufgeben mussten. Eine kleine Geschichte zu diesem Einsatz: Stirling Moss wünschte sich einen Kassettenplayer in die Fulvia, um sich während der „gleichmäßigen“ Runden auf dem Nürburgring etwas zu unterhalten!

Sir Stirling Moss 1929 – 2020 – Rallye Sestriere 1969 – uscita di strade

Cesare Fiorio lockte Stirling Moss 1969 zur Rallye Sestriere im März nach Norditalien, als Beifahrer saß der renommierte Engländer David Stone – davor und danach mit Vic Elford auf Ford und Porsche erfolgreich – neben ihm. Es gab ausreichend Schnee bei dieser Rallye und Moss/Stone wurde die Straße mehrmals zu eng, nach einem Überschlag, bei dem die Windschutzscheibe kaputtging, mussten sie aufgeben. Es war der letzte Start von Stirling Moss für Lancia, Schwester Pat ging im Frühjahr 1969 in Karenz und kehrte nur noch einmal 1970 für die Damen-Rallye „Paris-St. Raphael“ in Frankreich zurück. Stirling Moss hat in seinem Buch “All my cars“ aus dem Jahr 1987 alle seine Rennwagen, aber nicht die beiden Fulvias der Jahre 1968 und 1969 erwähnt.

Sir Stirling Moss 1929 – 2020 – Rallye Sestriere 1969 – aus dem Archiv von David Stone

 

Es gibt bei youtube ein nettes Video von Stirling Moss in einer Fulvia aus dem Jahr 1967: http://www.youtube.com/watch?v=SNJORKZjwqg

 

E. Marquart / 4.2020

2 Kommentare

  1. Henrik Stavorinus /

    Lieber Herr Marquart,

    Es ist dann die Liebe zur eigenen Arbeit und die persönliche Erinnerung an die alten Recken der Lancia-Tage, die Sie bei diesen (traurigen) Ereignissen trotz des angekündigten Stops der eigenen Beiträge zu den LANCIAnews zur Tastaur greifen lassen. Dafür übermittlere ich Ihnen einen persönlichen Dank.

    Henrik Stavorinus.

    • Ernst Marquart /

      Stirling Mos war mein persönlicher Held seit meiner Jugend. In den meisten Nachrufen werden „chauvinistisch“ entweder nur die Mercedes- oder die Periode der englischen Formel-Wagen erwähnt. Dass er mehrmals die Rallye Monte-Carlo und den Coupe des Alpes (und dort einen der drei in zwanzig Jahren vergebenen Coupe d’Or für dreimaliges strafpunktefreies Erreichen des Ziels gewonnen hat) gefahren ist, wird nirgends erzählt. Über Schwester Pat kam er zu Lancia und darauf wollte ich hinweisen. Auch aus dem Ausgedinge.
      E. Marquart

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