Lancia Beta Montecarlo Turbo – DRM 1980 und 1981

Lancia Beta Montecarlo Turbo – DRM 1980 und 1981

9 Apr, 2017

Beta Montecarlo Turbo - „Fruit of the Loom“ Wagen des Teams GS Freiburg 1980 mit Hans Heyer

Beta Montecarlo Turbo – „Fruit of the Loom“ Wagen des Teams GS Freiburg 1980 mit Hans Heyer

Nach unseren drei Lancia Beta Rallye Berichten darf zum Abschluss der Beta Montecarlo Turbo Gruppe 5 nicht fehlen. Das Thema würde ein Buch füllen, deswegen hier nur ein kurzer Blick zur DRS 1980 und 1981. Wir verwenden Auszüge aus diversen offiziellen Pressemeldungen sowie zeitgenössischer Berichterstattung.

Aus www.racing-history.de :

„Im Jahr 1977 begann die große Ära der Gruppe 5. Zu Beginn mit rund 600 PS unterwegs, waren die “Produktionswagen” des neuen Motorsport-Reglements in den Läufen zur Markenweltmeisterschaft und in der Deutschen Rennsport Meisterschaft das Maß aller Dinge. Die Turbos von Porsche, BMW, Ford und Lancia begeisterten die Fans an den Rennstrecken. Eine unvergessene Ära mit grandiosen Rennen und Fahrern, die in Erinnerung blieben wie: Rolf Stommelen, Manfred Winkelhock, Bob Wollek, Klaus Ludwig, Jochen Mass, Hans Stuck, oder Hans Heyer.“

Beta Montecarlo Turbo - Hans Heyer in seinem geliebten „Siegerauto“ DRM 1980, heute in seinem Privatbesitz

Beta Montecarlo Turbo – Hans Heyer in seinem geliebten „Siegerauto“ DRM 1980, heute in seinem Privatbesitz

Allgemeines aus Lancia workhistory.com:

“The Beta Montecarlo Turbo Group 5 was Lancia’s answer to the Porsche 935. With a 1.4L Turbo engine producing 470bhp in the later seasons. Despite the 935 having 800 bhp, the Lancia went on to beat the 935 on numerous occasions in 1980 like the 1-2 finishes at Brands Hatch, Mugello and Watkins Glen. Abarth developed a larger engine for the 1981 season to chase down the much more powerful Porsche’s. The new engine was upgraded to a 1.7l which was twin turbocharged to 520 bhp. Unfortunatly this version was never fully developed as Lancia’s focus shifted towards the new Group C-regulations that would come into force in 1982. Lancia went on to win the 1979 World Championship for Makes (under 2-litre class), overall for 1980 World Championship for Makes and 1981 World Endurance Championship for Makes. This dominating fashion has made the Beta Montecarlo Turbo Group 5 one of the greatest Lancia racing cars.”

Beta Montecarlo Turbo - Hans Heyer

Beta Montecarlo Turbo – Hans Heyer

Hans Heyer aus seinem Buch „Rennsport am Limit“, erschienen im Sportfahrerverlag, über den Lancia Einsatz:

„Die Ausgangslage war einfach Lancia wollte mit dem Beta Montecarlo Turbo Gruppe 5 gerne in die DRM und Heyer brauchte nach dem Ausscheiden bei Ford ein neues Auto. Doch nach 10 Stunden Marathonbesprechung mit Sportchef Cesare Fiorio und dem ganzen Führungsstab auf der einen, Domingos Piedade und Heyer selbst auf der anderen Seite, näherte sich die Stimmung dem Nullpunkt. Bereits mehrfach, fast wie in einem italienischen Spielfilm, hatte ich die Besprechung verlassen, weil die von uns vorgegebenen grundsätzlichen technischen Forderungen nicht erfüllt waren. Ich wurde zwar jedes Mal wieder eingefangen, aber es stand nicht gut um das Projekt. Ich verstand zwar ganz gut Italienisch, konnte es aber nicht gut sprechen, so dass Domingos übersetzen musste. Irgendwann riss mir der Geduldsfaden und ich gab Domingos auf: ‚Sag den Idioten wörtlich, wir machen nur weiter, wenn unsere Bedingungen erfüllt sind. Der übersetzte dann diplomatisch: ‚Der liebe Hans meinte, er hätte da noch einen Wunsch…‘ Ich dann wieder: ‚Was heißt Idiot auf Italienisch?'“ Schlussendlich wurde auf den nächsten Morgen vertagt…“

 

Beta Montecarlo Turbo - DRM 1980

Beta Montecarlo Turbo – DRM 1980

 

Anscheinend die perfekte Mischung: rauer Mönchengladbacher und Turiner Turbomonster, die ersten beiden Rennen bestritt der Wagen in weißer Lackierung mit schwarzem Sponsorenschriftzug

Hier einige Details aus der offiziellen Presse-Aussendung der Deutschen Fiat AG, Salzstraße 7 in Heilbronn:

LA1/80- Hans Heyer fährt Lancia Turbo”

GS übernimmt Einsatzleitung in der Deutschen-Rennsport- Meisterschaft:

Der zweifache Deutsche-Rennsport Meister (1975/76) und Tourenwagen-Europameister von 1974, Hans Heyer, Mönchengladbach/ Wegberg, wird in der Saison 1980 auf dem Lancia Beta Montecarlo Turbo an den Start gehen.

Die Vertragsverhandlungen mit Fiat/ Lancia wurden in diesen Tagen abgeschlossen und sehen Einsätze in den Läufen um die Deutsche Rennsport-Meisterschaft sowie Starts in einigen Wettbewerben zur Marken-WM – unter anderem 1000km auf dem Nürburgring – jeweils mit Monte Carlo Sieger Walter Röhrl, Regensburg, als Partner vor. In der Deutschen Rennsport-Meisterschaft beginnt das Programm bereits mit dem Lauf in Zolder (23. März 1980).

Der DRM Meister 1980 in Werks-Adjustierung, persönliches Markenzeichen- der Tirolerhut.

Der DRM Meister 1980 in Werks-Adjustierung,
persönliches Markenzeichen- der Tirolerhut.

Hans Heyer (36) startet in der Zwei-Liter-Kategorie (Gruppe 5) und wird zunächst die Version des Lancia Turbo fahren, die im vergangenen Jahr in der Marken-WM – mit dem Team Röhrl/Patrese – einen erfolgreichen Einstand gab. Im Laufe der Saison ist dann ein weiteres Fahrzeug geplant, das- basierend auf den Rennsport-Erfahrungen von Hans Heyer – kompromisslos auf die Wettbewerbe der Rennsport-Meisterschaft hin entwickelt ist. Dieser Wagen wird bei der Firma Gerhard Schneider (GS-Sport), Freiburg, die auch die Einsätze in Deutschland leitet, gebaut.

 

 

 

 

 

 

 

Beta Montecarlo Turbo - Erfolgreicher Einstand mit Röhrl und Patrese 1979, Bildbeschreibung im Original, weil`s so schön klingt:

Beta Montecarlo Turbo – Erfolgreicher Einstand mit Röhrl und Patrese 1979, Bildbeschreibung im Original, weil`s so schön klingt:

 “El Lancia Beta Montecarlo Turbo el día de su presentación oficial en el túnel de viento de Pininfarina (si observa con cuidado al fondo detrás de los invitados está la hélice gigante que se utiliza para generar el viento). Junto a la máquina los que serán sus pilotos: el italiano Riccardo Patrese y el germano Walter Rohrl. Lancia y su „Beta Montecarlo Turbo“ Revista Corsa Nro 662 Febrero de 1979.

Lancia y su „Beta Montecarlo Turbo“ Revista Corsa Nro 662 Febrero de 1979.

Beta Montecarlo Turbo

Beta Montecarlo Turbo

“Luego de muchos años de ausencia la casa de Torino decidió retornar a las pistas por medio de su modelo Beta Montecarlo, cuyo motor está asistido por un turbocompresor y entrega 350 HP a 8.800 r.p.m. pese a sus escasos 1.500 cm3. La idea es competir en Grupo 4 por el Campeonato Mundial y los pilotos serán Riccardo Patrese y el alemán Rohrl.” 

 

 

Weiters aus der Lancia Presse-Information LA1/80:

Mit der Marke Lancia kommt nach Porsche, BMW und Ford zum ersten Mal ein neues Fabrikat mit Anspruch auf erste Plätze in die Konkurrenz der Rennsport-Meisterschaft.

Bisher war es nur diesen drei Marken vergönnt, in diesem wohl härtesten europäischen Produktionswagen-Wettbewerb zu Siegen zu kommen. Dazu Hans Heyer, der bisher erfolgreichste Fahrer dieser Konkurrenz: “Ich habe bei Lancia unterschrieben, weil ich überzeugt bin. Binnen weniger Rennen will ich – mit dem Engagement des Mutterhauses, dem Know-how von GS-Sport, Freiburg, und Pirelli sowie meiner langjährigen Erfahrung – aus dem bestehenden Langstreckenmodell ein Siegerauto für die Rennsport-Meisterschaft machen.“

Der Montecarlo Turbo hat einen quer eingebauten, nach hinten geneigten Mittelmotor, Einzelradaufhängung aller vier Räder und eine im Windkanal optimierte Pininfarina-Karosserie. Mit KKK-Abgasturbolader und indirekter Bosch-Benzineinspritzung bringt es der Motor in der augenblicklichen Langstreckenversion aus 1425ccm Hubraum auf eine Leistung von rund 400PS (über 290kw) bei 8.800 U/min.

Für Lancia ist die Verpflichtung von Hans Heyer eine weitere wichtige Etappe im traditionell stark forcierten Engagement im Motorsport, dessen bisherige Höhepunkte der Rallye-Einsätze mit dem Stratos – drei Weltmeisterschaften, vier Europatitel und vier Monte Carlo – Siege – sowie in der weiteren Vergangenheit die Formel 1-Weltmeisterschaft mit Juan Manuel Fangio 1956 (der damalige Ferrari basierte auf der Technik von Lancia) und die Sportwagenerfolge Anfang der 50er Jahre mit Fahrern wie Alberto Ascari, Luigi Villoresi und Pierro Taruffi waren. Mit dem Beta Turbo unter Hans Heyer in der Rennsport-Meisterschaft ist eine konkrete Basis geschaffen, diese Tradition fortzusetzen.

PR/Presse, Heilbronn 17. März 1980

Hier der originale Pressetext, man beachte den letzten Satz, gerne hätten wir heute weitere Infos:

 

Beta Montecarlo Turbo- Pressemitteilung

Beta Montecarlo Turbo – Pressemitteilung

 

Ein kleiner Leistungsüberblick über die drei eingesetzten Motoren-Typen bei den insgesamt 11 bei Lancia gebauten Fahrzeugen, weitere 4-5 (Angaben variieren) entstanden bei Dallara von 1978 bis 1981.

Auszug aus „Tutte le Lancia 1907 – 1993″, 1993, Editoriale Domus, Seite 484

Gianni Tonti: responsabile del progetto – Giampaolo Dallara e Claudio Maglioli: consulenti per la meccanica e il collauto

  • Tipo: 14.78T
  • Velocita massima: 300 km/h
  • Portata: 2 persone
  • Cilindrata: 1.425,9 – 1.429,4 – 1.773,0 cm3
  • Potenza max: 490 – 490 – 500 CV a 10.500 – 10.500 – 9.000 giri/min
  • Distribuzione: valvole a V in testa (4 per cilindro), 2 alberi a camme in testa, cinghia dentate
  • Ruote: Campagnolo e Speedline in lega leggera, ant. 11×16, post. 13×19
  • Pneumatici: Pirelli, ant. 220/615 x16, post.300/700×19
  • Accensione: elettronica Dinoplex
  • Trazione: posterior
  • Cambio: Lancia HF a 5 marce + RM, differenziale autobloccante
  • Frizione: bidisco a secco
  • Pesi: 890 kg
Beta Montecarlo Turbo - Hubraum statt Wohnraum?! Nicht so beim Montecarlo Turbo, - Werkswagen mit ausreichender Leistung

Beta Montecarlo Turbo – Hubraum statt Wohnraum?! Nicht so beim Montecarlo Turbo, – Werkswagen mit ausreichender Leistung

 

 

Leistungsangabe der Deutschen Fiat AG LA 9/80:

Beta Montecarlo Turbo - Original-Pressetext

Beta Montecarlo Turbo – Original-Pressetext

Bericht aus von Herrn Karl-Heinz aus Koblenz http://modelcarforum.de/showthread.php?p=529305

„Nachdem Heyer nach der Saison 1979 seinen Stammplatz bei Zakspeed zu Gunsten des jungen Kaus Ludwig räumte, der Ford Sportchef Kranefuß im Sportstudio den Rücktritt Heyers erklärte, war dieser schon zu Verhandlungen in Turin. Die Fiat Tochter Lancia wollte unbedingt mit dem Beta Montecarlo Coupe in die DRM. Nach heftigen, teils lautstarken Verhandlungen war das Ziel klar, Gerhard Schneider aus Freiburg GS Racing führt das DRM Team und seine Monteure bauen das Auto auf. Mit Ali Strasser hatte man einen erfahrenen Mann aus Heyers Zak Tagen der viel Erfahrung einbrachte und auf Einbau zuverlässiger Zubehörteile bestand. Magnet Marelli wurde durch Kugelfischer und Bosch ersetzt.

Bei dem ersten Test sah das Auto wie es ankam aus, als wäre es versehentlich vom Transporter gefallen, aber nachdem die GS-Mannen alle Einstellungen ihrer Liste getätigt hatten, fuhr Heyer in Misano die absolute Bestzeit von der Lancia Truppe.

Heyer gab den Fiat Leuten drei Umschläge an die Hand, die mit Öffnungsdatum versehen waren.

  1. Brief „Ich stehe in Zolder in der ersten Reihe“.
  2. Brief “ Ich gewinne die Meisterschaft.“
  3. Brief “ Wenn 1+2 eintrifft erhalte ich das Auto für mein privates Museum!

Der Start erfolgte in der kleinen Division der DRM – Turbomotoren kleiner als 1.6 l bei den Rennen

1 Zolder 2.Platz hinter Niedzwietz auf Turbo Capri
2 Nürburgring 2.  hinter Harald Ertl auf Turbo Capri
3 Hockenheim 1.Platz
4 Nürburgring 2. hinter Harald Ertl
5 Mainz Finthen 1.
6 Spa 3. hinter Harald Ertl + Niedzwietz
7 Norisring 6-facher Überschlag
8 Salzburgring 4. hinter H.J. Stuck BMW 320, Harald Ertl, Niedzwietz
9 Diepholz 2. hinter H.J. Stuck
10 Zolder 2. hinter H.J. Stuck
11 Hockenheim 3. hinter Harald Ertl, H.J. Stuck
12 Nürburgring (kleiner Ring) 4. hinter Niedzwietz, H.J. Stuck, Brun auf BMW 320

Der Stand der Meisterschaft war zwischen Stuck und Heyer gleich und da die BMWs dem Lancia auf und davon zu fahren schienen, markierte Heyer die BMW Motoren und droht mit Protest zum Öffnen der Motoren. Daraufhin wechselt Stuck in Hockenheim bei Lauf 14. den Motor und kam hinter Heyer ins Ziel. Heyer wurde damit Meister und Stuck Zweiter.“

Beta Montecarlo Turbo - Boxenstop in Zolder 1981

Beta Montecarlo Turbo – Boxenstop in Zolder 1981

 

Zum Nachlesen – alle Wagen der DRM Saison 1980 im Überblick:

http://www.speedhunters.com/2009/09/gallery_gt_gt_german_group_5_heaven_drm_1980/

Alle Beta Montecarlo-Turbo Ergebnisse in der DRM im Überblick:

http://www.lanciabetamontecarlo.nl/Gp5/group%205+6.html

 

In die Saison `81 startete GS Freiburg mit einem zweiten Montecarlo Turbo. Am Steuer Siggi Müller jun. (Sohn von Siegfried Müller sen. bekannt von der Targa Florio), der bereits 1976 in die Rennserie eingestiegen war. 1980 gewann er die DRM Gesamtwertung mit einem BMW 320 und u.a. die 500 km von Brands Hatch – also kein Anfänger.

Beta Montecarlo Turbo - Siggi Müller jun. im April 1981 am Nürburgring

Beta Montecarlo Turbo – Siggi Müller jun. im April 1981 auf dem Nürburgring

Siggi Müller konnte mit vielen Top Platzierungen einen ausgezeichneten fünften Gesamtrang hinter Hans Heyer in der DRM 1981 erreichen.

Die vielen Umbauten für die Saison 1981 machten den Wagen schwer zu fahren. Mehr Leistung, aber auch mehr Probleme mit der Aerodynamik. Die Konkurrenz rüstete ordentlich auf, so reichte es nicht mehr für ganz vorne. Meister 1981 wurde Klaus Ludwig auf Würth Zakspeed Racing Ford Capri Turbo – 850 kg schwer 600 PS stark/ 1,3 Liter Turbo.

 

DRM 1981 - Der neue Meister mit den dahinterliegenden Montecarlo Turbos

DRM 1981 – Der neue Meister mit den dahinterliegenden Montecarlo Turbos

Aus der Zeitschrift „Automobilsport“ Ausgabe 07/ Uwe Mahla:

Die glorreiche Deutsche Rennsport Meisterschaft geht ins zehnte Jahr, als sich am 19. März 1981 die „üblichen Verdächtigen“ nach der Winterpause im Fahrerlager des Circuit Terlaemen im belgischen Zolder zum ersten Schlagabtausch versammeln. Die üblichen Verdächtigen – das sind die Teams von Schnitzer, Kremer, Zakspeed, GS, Joest und weiteren Unverdrossenen. Zumindest die, die aus der glorreichen Zeit übrig geblieben sind. Andere wie Loos, Max Moritz oder Grab haben inzwischen die Segel gestrichen. Werksteams wie ganz zu Anfang fahren nicht mehr, von den vielen internationalen Stars wie Hezemans, Schurti, Stommelen, Peterson, Ickx oder Schenken sind mangels schneller Arbeitsplätze nur einige wenige geblieben.

Denn zu teuer, überreizt und letztlich nicht mehr zeitgemäß war das ursprünglich so ruhmreiche, als weltweit beste Produktionswagen-Serie der Welt gepriesene Championat geworden. Die Entwicklung immer spitzfindigerer Gruppe-5-Autos hatte dazu geführt, dass die Starterfelder dieser Boliden immer öfter aus nur ganz wenigen wirklichen Spitzenrennwagen bestanden. Man schuf, um voluminöse Starterfelder zusammen zu bekommen, eine zweite, in den jeweiligen Divisionen antretende Klasse – die Rennsport-Trophäe, in der sozusagen im Rennen innerhalb des Rennens um eine separate Wertung Fahrer mit Gruppe-4- und Gruppe-2-Rennautos fuhren. Dort wurden sehenswerte Kämpfe ausgefochten. Hier etablierten sich Namen wie Selzer, Boller, Vogt, Henzler, Nussbaumer und Wolf. Doch es war, im Windschatten der Gruppe-5-Konkurrenz, einfach „die zweite Klasse“. Die Rennsport Meisterschaft in ihrer ursprünglichen Form war ein Auslaufmodell.

Eigentlich hatte man also für 1981 das wichtigste Grundübel des DRM-Reglements, die Austragung in zwei unterschiedlichen Divisionen, abschaffen wollen. Es hatte schon einen grundsätzlichen Beschluss gegeben, aber letztlich konnte man sich nicht auf eine kompromissfähige Formel einigen. So blieb es zunächst weiter beim alten System und aus der Saison 1981 wurde die letzte, in der derjenige Meister würde, der in einer von beiden Divisionen insgesamt die meisten Punkte sammelt.

Die üblichen Verdächtigen im Titelkampf, das waren demzufolge nach menschlichem Ermessen zwei Zakspeed-Capri-Fahrer, nämlich der Meister von 1979, Klaus Ludwig, und Manfred Winkelhock, sowie Vorjahresmeister Hans Heyer im Lancia und Bob Wollek, der nach seinem Ausflug zum Loos-Team wieder zu seiner „Stammeinheit“ Kremer zurückgekehrt war. Bei Zakspeed hatten sie eine feine Doppelspitzen-Strategie entwickelt. Der Capri war inzwischen eine Bank, was die für Sprintrennen ideale Kombination betraf. Er war – gleich, ob in der großen oder kleinen Division – stark genug zum Siegen und dabei zuverlässig wie ein alltägliches Arbeitsgerät.

Die Konkurrenz von BMW und Lancia bei den „Kleinen“ war für Klaus Ludwig allerdings nicht zu unterschätzen – da war die Erinnerung an die starken Auftritte von Vorjahres-Vizemeister Stuck einerseits und dem amtierenden Meister Heyer andererseits noch zu gut in Erinnerung. Der Wollek-Porsche als Gegner bei den „Großen“ war ebenfalls ein schwerer Brocken. Und wie sich der Gruppe 5 BMW M1 unter Hans Stuck verkaufen würde, das war eine unbekannte, unsichere Größe. Also startete Manfred Winkelhock erstmals bei Zakspeed, im „dicken“ Capri, Ludwig ging im „Kleinen“ auf Titeljagd…

Beta Montecarlo Turbo - 1981 Eifelrennen am Nürburgring, Siegfried Muller jun.

Beta Montecarlo Turbo – 1981 Eifelrennen am Nürburgring, Siegfried Muller jun.

 

Beta Montecarlo Turbo - Nicht ungefährlich, zum Glück einen Schutzengel auf dem Beifahrersitz

Beta Montecarlo Turbo – Nicht ungefährlich, zum Glück einen Schutzengel auf dem Beifahrersitz

Heyers 6-facher Überschlag am Norisring: er entstieg unverletzt, kletterte aber anschließend zum Entsetzen der Streckenposten nochmals ins Wrack um seinen Tirolerhut zu bergen. Über den zerstörten Wagen wissen wir leider nichts, aber er hatte ja noch einen Zweiten bei GS in der Garage.

Aus Heyers Buch:

Eines Tages stand ein Transporter aus Italien vor meiner Tür mit drei(!) Lancia Gruppe 5 samt Ersatzteilen.“

 

 

G. Wöss / 3.2017

 

 

 

Literatur zum Thema Beta Montecarlo im Rennsport:

  • Giancarlo Reggiani, Lancia da competizione, Vimodrome (MI), 2000, Seite 160
  • Paul Schinhofen, Lancia Innovation und Faszination, Königswinter, 2005, Seite 145
  • Alfio Manganaro/Paolo Vinai, Lancia Corse, Cremona, 1988, Seite 173
  • Nigel Trow, Lancia Racing, London, 1987, Seite 181
  • Nigel Trow, The Illustrated Lancia, London, 2000, Seite 201
  • Wim Oude Weernink, La Lancia, Itterbeek, 2006, Seite 331
  • Luca Gastaldi, Lancia Una Storia Vincente, Venaria Reale (TO), 2016, Seite 58

 

Beta Montecarlo Turbo - Nürburgring 1982 (Foto Müllender)

Beta Montecarlo Turbo – Nürburgring 1982 (Foto Müllender)

 

 

Beta Montecarlo Turbo - Nürburgring 1980 (Foto Müllender)

Beta Montecarlo Turbo – Nürburgring 1980 (Foto Müllender)

 

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