E10 – Sinn oder Unnsinn?

E10 – Sinn oder Unnsinn?

19 Nov, 2012

Umweltbewusstsein, Ökologie, Unwissenheit und Moden – EU-weites Sendungsbewusstsein. Gesetze, Empfehlungen – Umsetzen ohne Rücksicht auf Folgen und Wirkung.

Was erwartet die Oldtimerszene von diesen unabschätzbaren Szenario?

Noch können wir wählen … (Oldtimer Markt 5/2012)

Wir hatten diesen Beitrag für Ende September 2012 geplant, als der österreichische Landwirtschaftsminister Dr. Berlakovich unbeirrt, ohne die Diskussionen in ganz Europa zu beachten, am Einführungstermin 1.10.2012 festhielt. Am 16. September 2012 zog er dann zurück und verschob den Termin auf später („bis die Situation auf europäischer Ebene geklärt ist“). Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, das heißt, dass zu einem späteren Zeitpunkt die technischen Gefahren für unsere Oldtimer wieder aktuell werden (können). Da die von Helmut Neverla nach Studium von Unterlagen (z.B. KFZwirtschaft) und Berichten in Zeitschriften empfohlenen Maßnahmen für die Verwendung aller Benzinsorten sinnvoll sind, sollten Sie den Beitrag entsprechend aufmerksam lesen.

E10 – Sinn oder Unsinn

In der Tageszeitung „Kurier“ vom 11.09.2002 war zu lesen, dass die EU zurzeit darüber nachdenkt, E10 doch nicht (in naher Zukunft) einzuführen. Ob das unser Landwirtschaftsminister schon gehört hat und auch daran denkt?

Wie es auch immer kommen wird, wir sollten gerüstet sein und uns bestmöglich vorbereiten.

Da ja jetzt schon in vielen Benzinsorten mindesten 5 % Ethanol enthalten sind, möchte ich Ihnen ein paar Vorsichtsmaßnahmen mitgeben, die auf alle Fälle zu beachten sind.

Ethanol im Kraftfahrzeug ist keine Erfindung der EU. Schon der erste Motor, den Nikolaus August Otto erfunden hatte, wurde mit reinem Ethanol betrieben, da das damalige Benzin viel zu teuer war. Erst ab circa 1904, als es deutlich billigeres Benzin gab, schwenkten die Motorenbauer um und verwendeten das importierte Erdölprodukt.

Mitte der 1930er-Jahre wurde aus der Not heraus wieder dem Benzin Ethanol beigefügt, da es die Klopffestigkeit erhöhte. Erst 1935 erwarb die US-amerikanische Gesellschaft Standard Oil die Lizenz zur Herstellung von Bleitetraäthyl, das dann das Benzin klopffest machte.

KFZwirtschaft Juni 2012

KFZwirtschaft Juni 2012

Ethanol wird aus Biomasse (meistens aus vergorenem Weizen bzw. Mais) hergestellt. Die aktuelle Idee dabei ist, dass so die Umwelt geschont (?) wird. Ethanol ist eine klare, farblose, würzig riechende und brennend schmeckende, leicht entzündliche Flüssigkeit, beliebig mit Wasser und Benzin und diversen anderen Flüssigkeiten mischbar.

Ich könnte Ihnen jetzt eine lange Liste aufzählen, was Ethanol alles kann, was nicht und warum nicht oder doch. Aber ich will Sie nicht langweilen und Sie darauf aufmerksam machen, was bei Verwendung von Benzin mit E10- und auch mit E5-Beimischung zu beachten ist: 

KFZwirtschaft - Juni 2012

KFZwirtschaft – Juni 2012

Es gab in einigen Oldtimerzeitungen Artikel, in denen über Versuche mit E10-Sprit berichtet wurde. Ich will Ihnen hier eine knappe Zusammenfassung bringen und auch meine eigenen Erfahrungen weitergeben.

  • Der meiner Meinung nach wichtigste Punkt bei unseren Autos sind die Benzinschläuche. E10 (aber auch E5) hat die schlechte Eigenschaft, dass es die Benzinschläuche zersetzt bzw. stark porös macht. Dadurch kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Denken Sie nicht nach, was Feuer im Motorraum bedeutet. Mein Tipp dazu: Erneuern Sie alle Benzinschläuche – nehmen Sie die beste Qualität, die Sie bekommen können, kaufen Sie sich die passenden Schlauchschellen dazu (keine Schlauchbinder) und kontrollieren Sie die Benzinschläuche mindestens vor dem Anfang jeder Saison.

Kleiner Tipp am Rande: Ein Feuerlöscher kostet nicht ein Vermögen und gibt eine gewisse Sicherheit. Lesen Sie aber unbedingt sofort die Betriebsanleitung des Feuerlöschers, da oft Löscher falsch angewendet werden. (Wenn es brennt ist es meistens zu spät zum Lesen!)

  • Ein weiterer Minuspunkt ist, dass Benzin mit E 5/10-Beimischung hygroskopisch ist – das heißt wasseranziehend. In der Praxis bedeutet das, dass der Benzintank immer, auch bei noch so kurzer Standzeit, vollgetankt sein sollte, da nur ein voller Tank kein Wasser anziehen kann.
  • Ethanol hat noch weitere Gemeinheiten auf Lager. Es löst alte Beschichtungen im Tank und unter Umständen auch Rückstände, die sich im Laufe der Jahre im Tank und in den Leitungen angesetzt haben. Hier kann ein durchsichtiger Filter verstopften Vergaserdüsen vorbeugen (bei vielen unserer Lancias gibt es ein wunderbares Schauglas).
  • Wir sind mit den Gemeinheiten von Ethanol-Beimischungen noch nicht am Ende. Gewisse Materialien sind nicht Ethanol-verträglich, sie lösen sich auf. Da wäre z.B. der Korkschwimmer im Tank, Vergasergehäuse, die viel Magnesium in der Legierung haben. Hier einige Metalle die nicht Ethanol verträglich sind: Magnesium, Aluminium, Zink, Chrom, Eisen, Nickel, Zinn und Blei (Das sind alles unedle Metalle). Kupferleitungen sind weniger gefährdet.
  • Ein wichtiger Punkt sollte noch zum Schluss zum Nachdenken anregen. Da auch im Laufe des Betriebes Benzin in das Motoröl kommt, kann durch lange Standzeiten Wasser in den Ölkreislauf kommen. (Wie schon oben erwähnt ist Ethanol wasseranziehend). Darum immer, bevor Ihr „Liebling“ eingewintert wird, sollten Sie einen Ölwechsel mit neuem Filter machen.
  • Es gibt ein Hilfsmittel, das man bei Betrieb bzw. bei langen Standzeiten beim Tanken beimengt. In der Zeitschrift „Oldtimer Markt“ Nummer 5/2012 hat ein Konservierungsmittel sehr gut abgeschnitten. Dieses Mittel gibt es auch bei uns in Österreich, es heißt Bactofin (www.oldtimer-schmierstoff.at) und wird im Verhältnis 1:1000 mit E10 verdünnt. Kosten in Deutschland laut Oldtimer Markt 34,90 € pro Liter.
  • Für Kugelfischer-Einspritzpumpen (oder ähnliche Systeme) ist E 5/10 absolut der Tod. Ethanol zerstört alle Elemente in der Einspritzpumpe. Mechanische Benzinpumpen können undicht werden, meisten genügt sie nur abzudichten. Vergaser gehören ebenfalls mit neuen Dichtungen überholt.

Ich hoffe, Sie nicht zu sehr beunruhigt zu haben. Solange es noch den sogenannten „Hunderter Benzin“ gibt, brauchen wir uns um unser Lancias keine großen Sorgen machen.

Helmut J. Neverla

Literaturhinweise:

  • Spezial E10 im Oldtimer-Motor von der KFZ Wirtschaft. Juni 2012
  • Oldtimer Markt 4/2011 und 5/2012
  • Kurier (Wirtschaftsteil) 04.09.2012, 11.09.2012
  • Lancia Rundschau des LCD 1/2012.

PS nochmals eine Schnellübersicht:

  • Benzinschläuche
  • Konservierungsschutz für den Tank
  • Ölwechsel zur Saisonende
  • Feuerlöscher
  • Benzinpumpe + Vergaser überholen!

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