Daneben sitzen ist nicht schwer? – Die HF Squadra Corse

Daneben sitzen ist nicht schwer? – Die HF Squadra Corse

9 Okt, 2013

Wer saß neben den Fulvia-Lenkrad-Virtuosen im Dienste der HF Squadra Corse?

Die Namen der Dirigenten, Manager und unverzichtbaren „Danebensitzenden“ sind großteils unbekannt …

San Martino di Castrozza 1971: Fast die komplette HF Squadra Corse

San Martino di Castrozza 1971: Fast die komplette HF Squadra Corse

Die Berichterstattung über Rallyes ist eigentlich unfair, denn die BeifahreriInnen und ihre Rollen werden selten entsprechend gewürdigt. Der Fahrer wird gelobt, in den Berichten erwähnt und auf Fotos gezeigt – aber die, die daneben saßen eher nur in Ausnahmefällen, sie blieben hinter dem Schrägstrich.

München-Wien-Budapest 1966: Leo Cella und Luciano Lombardini wird der Weg gewiesen

München-Wien-Budapest 1966: Leo Cella und Luciano Lombardini wird der Weg gewiesen

Das war natürlich nicht nur bei Lancia so, sondern bei den anderen Teams. Ich berichte aber hier nur von den Fulvia-CopilotInnen zwischen 1966 und 1974, soweit ich sie bei meinen Recherchen zu meinen Fulvia-Büchern zusammenstellen konnte. Es war eher eine geringe Anzahl mit unterschiedlichen Profilen und Beschäftigung bei einem oder mehreren Fahrern.

Tour de Corse 1966 und Monte Carlo 1967  Tour de Corse 1966 und Monte Carlo 1967
Tour de Corse 1966 und Monte Carlo 1967

Ich hatte im Beitrag „Söldner in Turin“ (Rubrik „Titel“ im April 2010) die ausländischen Fahrer der HF Squadra Corse namentlich gelistet, die Italiener waren dabei nicht erwähnt worden, das will ich jetzt nachholen.

Pat Moss-Carlsson/Elisabeth Nyström 1967 - Daniele Audetto  Pat Moss-Carlsson/Elisabeth Nyström 1967 - Daniele Audetto
Pat Moss-Carlsson/Elisabeth Nyström 1967 – Daniele Audetto

Die HF Squadra Corse begann in den 1960er-Jahren als italienischer Privatfahrerclub unter Leitung von Cesare Fiorio, Nicht-Italiener wurden nur bei besonderen Gelegenheiten bzw. bei regional bedeutsamen Veranstaltungen außerhalb Italiens eingesetzt – so z.B. René Trautmann und Claudine Bouchet. Die Fulvia-Einsätze begannen im Jänner 1966 – abgesehen von der Tour de Corse 1965 mit Cella/Camerama – mit zwei Wagen eher vorsichtig, erst ab der Akropolis Rallye im Mai 1966 kamen Teams mit zwei und mehr Fahrzeugen zum Einsatz. Die Statistik ist nahezu vollständig, aber das Bildmaterial ist eher dürftig, da die Beifahrer eher im Hintergrund blieben. Ausnahme war natürlich Elisabeth Nyström, Beifahrerin von Pat Moss-Carlsson 1968/69, diese blonde „Maus“ war so attraktiv, dass sie stets mit ihrer Chauffeuse im Bild war.

Rallye Monte Carlo 1969: Die Söldner aus Finnland und England und ihre kaputten Fulvias

Rallye Monte Carlo 1969: Die Söldner aus Finnland und England und ihre kaputten Fulvias

Soweit ich das teilweise lückenhafte Material richtig gezählt habe, waren es 35 BeifahrerInnen, die in 379 Mal an den Start gegangen waren und an 58 Siegen mitgewirkt hatten. Die steigenden Anforderungen an die Beifahrer in internationalen Bewerben erfüllten zu Beginn die ausländischen Copiloten besser: Roadbook/Pace notes, Verständigung mit den Veranstaltern/Funktionären und teilweise regionale Besonderheiten (RAC, East African Safari). Die Italiener wuchsen erst langsam in diese Aufgaben hinein, Mario Mannucci sprach wenig Englisch, Piero Sodano und Silvia Maiga waren polyglotter – die „logische“ Laufbahn vom Beifahrer zum Organisator, wie z.B. bei den Engländern John Davenport und Henry Liddon, beschritten sie mit Ausnahme von Daniele Audetto nicht.

Claudine Bouchet-Trautmann - Gunnar Haggbom bewundert Lampinens Haarpracht  Claudine Bouchet-Trautmann - Gunnar Haggbom bewundert Lampinens Haarpracht
Claudine Bouchet-Trautmann – Gunnar Haggbom bewundert Lampinens Haarpracht

BeifahrerIn von-bis Starts Siege FahrerIn
Jirki Ahava (FIN) 1967

2

Pauli Toivonen
Atso Aho (FIN) 1968

2

Hannu Mikkola
Sölve Andreasson (S) 1972

5

1

Simo Lampinen
Daniele Audetto (I) 1968 – 71

25

5

Amilcare Ballestrieri
Sandro Munari
Luca di Montezemolo
Helmut Neverla
Sergio Barbasio (I)  1967 – 69

9

1

Leo Cella
Sandro Munari
Arnaldo Bernacchini (I) 1968 – 74

13

2

Sandro Munari
Amilcare Ballestrieri
N. Ratazzi
N. Pitoni
Claes Bilstram (S) 1973

2

Harry Källström
Sergio Camerama (I) 1965

2

1

Leo Cella
Ron Crellin (GB) 1968

1

1

Tony Fall
Anders Dahlgren (S) 1966

4

Ove Andersson
John Davenport (GB) 1966 – 72

34

5

Ove Andersson
Leo Cella
Tony Fall
Sandro Munari
Simo Lampinen
Harry Källström
Ginette Derolland (F) 1966 – 68

5

Claudine Trautmann
Lofty Drews (KEN) 1969 – 74

5

Tony Fall
Sandro Munari
Shekar Mehta
Paul Easter (GB) 1969

3

Timo Makinen
Angelo Garzoglio (I) 1972 – 74

17

1

Mauro Pregliasco
Giacomo Pelganta
Gunnar Haggbom (S) 1968 – 72

47

8

Harry Källström
George Harris (B) 1966 – 68

13

Sandro Munari
Raffaele Pinto
Ansi Järvi (FIN) 1966 – 68

5

Jorma Lusenius
Pauli Toivonen
Hannu Mikkola
Henry Liddon (GB) 1968 – 69

7

1

Rauno Aaltonen
Tony Fall
Luciano Lombardini (I) 1966 – 68

17

4

Leo Cella
Sandro Munari
Klaus Lehto (FIN) 1967 – 68

2

Jorma Lusenius
Philippe Leysieux (F) 1967 – 71

4

René Trautmann
Silvio Maiga (I) 1972 – 74

18

8

Giacomo Pelganta
Amilcare Ballestrieri
Mario Mannucci (I) 1968 – 73

61

14

Amilcare Ballestrieri
Alcide Paganelli
Sergio Barbasio
Sandro Munari
Simo Lampinen
Tony Nash (GB) 1970

1

Sandro Munari
Elizabeth Nyström (S) 1968 – 69

10

1

Pat Moss-Carlsson
Alcide Paganelli (I) 1967 – 68

2

Leo Cella
Gunnar Palm (S) 1968

1

Bengt Söderström
Gerry Philips (GB) 1968

1

Sandro Munari
Romano Ramoino (I) 1965 – 66

2

1

Leo  Cella
Carlo Facetti
Ninni Russo (I) 1968 – 70

9

Alcide Paganelli
Erkki Salonen (FIN)

1967

1

Pauli Toivinen
Susan Seigle-Morris (GB) 1969

2

Pat Moss-Carlsson
Piero Sodano (I) 1970 – 73

30

5

N. Rattazzi
Raffaele Pinto
Sergio Barbasio
Simo Lampinen
Ove Andersson
Giacomo Pelganta
Amilcare Ballestrieri
David Stone (GB) 1967 – 69

5

1

Vic Elford
Sergio Barbasio
Sandro Munari
Stirling Moss
Pat Moss-Carlsson
Claudine Trautmann (F) 1966 – 69

14

René Trautmann
Mike Wood (GB) 1969 – 70

2

Tony Fall

380

59

 

Sergio Barbasio "prüft" Piero Sodano (1971) - Arnaldo Bernacchini  Sergio Barbasio "prüft" Piero Sodano (1971) - Arnaldo Bernacchini
Sergio Barbasio „prüft“ Piero Sodano (1971) – Arnaldo Bernacchini

Nicht berücksichtigt  sind hier natürlich Bewerbe, bei denen zwei und mehr Fahrer eingesetzt waren, wie z.B. Marathon de la Route, Targa Florio, Mugello, 24 Stunden von Chamonix, 1000 km Nürburgring.

Österr. Alpenfahrt 1972: Källström/Haggbom und Lampinen/Andreasson  Österr. Alpenfahrt 1972: Källström/Haggbom und Lampinen/Andreasson
Österr. Alpenfahrt 1972: Källström/Haggbom und Lampinen/Andreasson

Der Wechsel der Beifahrer innerhalb der HF Squadra Corse war überschaubar, den größten „Verschleiß“ hatte Sandro Munari nach dem Tod von Luciano Lombardini bei der Rallye Monte Carlo 1968, erst 1971 übernahm er von Sergio Barbasio Mario Mannucci, mit dem er bis in die erste Stratoszeit das Cockpit teilte.

Daniele Audetto begann seine Karriere neben Amilcare Ballestrieri, saß neben Sandro Munari und dann neben Luca de Montezemolo, was seiner weiteren Karriere im Fiat-Konzern förderlich war. Arnaldo Bernacchini war ein „treuer“ Beifahrer zuerst für Sandro Munari bei der Meisterschaft 1969, dann für Amilacare Ballestrieri 1972. Silvio Maiga kam erst 1972 zu Lancia Marlboro, saß 1973 neben Ballestrieri, als dieser zum zweiten Mal italienischer Meister wurde.

Mario Mannucci - A. Garzoglio und M. Pregliasco  Mario Mannucci - A. Garzoglio und M. Pregliasco
Mario Mannucci – A. Garzoglio und M. Pregliasco

Sergio Barbasio begann als Beifahrer von Leo Cella, saß mehrmals neben Munari und wurde 1971 und 1972 italienischer Rallyemeister – nachdem er Mannucci an Munari weitergereicht hatte, baute er Piero Sodano („Kilroy“) auf.

Die Ausländer („Söldner“) brachten ihre eigenen Beifahrer, allein schon wegen der Sprache, mit. So kam internationale Erfahrung in die HF Squadra Corse: John Davenport, Henry Liddon, Mike Wood, David Stone und Paul Easter. Elizabeth Nyström habe ich bereits erwähnt, die langjährige Ehe Harry Källström – Gunnar Haggbom endete bei der RAC 1972, 1973 fuhr Harry nur noch zweimal für Lancia mit Claes Bilstram.

Worldcup Rally 1974: Lofty Drews und Shekar Mehta

Worldcup Rally 1974: Lofty Drews und Shekar Mehta

Eine bunte Geschichte, die leider nicht ausreichend dokumentiert ist und auch nicht mehr werden wird, denn die Damen und Herren sind schon längst im Seniorenalter und erscheinen (in Italien) gerne bei feierlichen Anlässen zu runden Jubiläen.

E. Marquart / 10.2013

So sehen die Helden heute aus: Bernacchini - Maiga - Munari - Sodano und C. Fiorio bzw. Ballerstrieri und Maiga  So sehen die Helden heute aus: Bernacchini - Maiga - Munari - Sodano und C. Fiorio bzw. Ballerstrieri und Maiga
So sehen die Helden heute aus: Bernacchini – Maiga – Munari – Sodano und C. Fiorio bzw. Ballerstrieri und Maiga

PS: Die Bilder wurden bewusst etwas kleiner gewählt, um den Bericht in einer vernünftigen Länge zu halten.

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