Hannu Mikkola (1942 – 2021)

Hannu Mikkola (1942 – 2021)

28 Feb, 2021

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Die Nachricht vom Ableben Hannu Mikkolas erreichte mich am 27. Februar 2021, die Fachforen im Internet berichteten sehr schnell und bringen ziemlich gleichlautende Nachrufe: seine Karriere mit vielen verschiedenen Automarken lässt aber (meistens) das kurze Kapitel der Jahre 1967 bis 1969 auf Lancia Fulvia vermissen. Aber darüber kann lancianews fundiert berichten – auch aus persönlichen Erlebnissen.

Hannu Mikkola – 1968 Österr. Alpenfahrt [McKlein]

Fast die gesamte Rallyewelt, sicher aber die Lancia-Szene, kennt Alois Rottensteiners Foto von der Internationalen Österreichischen Alpenfahrt 1968: Hannu Mikkola/Ansi Järvi auf der Fulvia 1,3 HF TO 970376 auf der Sonderprüfung Niederalpl in der Steiermark, dem letzten Versuch Mikkolas den viel stärkeren Ford Escort von Söderström/Palm doch noch zu „biegen“. Vergeblich, es blieb beim zweiten Platz. Aber das Foto ging um die Welt, es gibt u.a. von Herbert Völker hautnahe Beschreibungen der Situation. Im Jahre 2000 kam die Rallye London – Sidney nahe Wien zu einer ZK in Bruckneudorf auf den Harrach-Gütern. Dort holte ich mir ein Autogramm von Hannu auf dieses Foto, das er mir lachend gab: This, I remember well, very well! Helmut Deimel hat das in seinem „Evolutions“-Video II festgehalten.

Hannu Mikkola 2000 – Bruckneudorf [Helmut Deimel]

Im Februar 1967 wurde die Fulvia 1,3 HF mit 101 PS bei 6.200 U/min homologiert, bis inklusive Rallye Monte-Carlo 1967 musste Lancia mit den schmalbrüstigen HF gegen die stärker motorisierte Konkurrenz (Mini 1,3, Renault R8 und Porsche 911) antreten. Cesare Fiorio blickte voraus, suchte Fahrer in ganz Europa – Skandinavien, England und Frankreich. Einer dieser Gastarbeiter war Hannu Mikkola, der zu dieser Zeit jedoch meist mit Fahrzeugen anderer Marken unterwegs war. Bei der Monte-Carlo 1967 startete er mit # 48 auf der Fulvia TO 858495 – er lag unter den ersten Zehn, als ihm bei einer Zeitkontrolle die Stempelkarte aus der Fulvia gestohlen wurde, das ergab mit den Strafpunkten nur noch Platz 43.

Hannu Mikkola 1967 – Monte-Carlo

Es gab 1967 keine weiteren Einsätze für Lancia, erst im Mai 1968 stand Hannu Mikkola am Semmering in Niederösterreich bei der Alpenfahrt wieder mit einer Fulvia mit Beifahrer Ansi Järvi am Start: im Kampf mit Bengt Söderström erreichte er die SP-Positionen 3 – 8 – 2 – 1 – 1 – 3 – 1 – 2 – 4 – 1 – 2 = 12,3 Sekunden Rückstand im Ziel. Bei der Rallye Vltava in der ČSSR stand er zwar in der Nennliste, startete aber nicht. Mit Harry Källström teilte er sich die Prototyp-Fulvia TO 953012 (1.401 ccm-Motor, 7-Gang-Getriebe, 9/43 Übersetzung, 90 l-Tank in Mugello, modifizierte Blattfedern, 6“-Felgen mit Michelin-Reifen) schied aber aus.

Hannu Mikkola 1968 – Coupe des Alpes [McKlein]

Auch die drei nächsten Einsätze endeten mit Ausfällen, wobei nur beim Coupe des Alpes eine homologierte Version zum Einsatz kam (TO 970374), in Korsika (TO 930371 mit 1,3 HF-Motor) und bei der RAC Rally im November mit TO A65742 (1600 ccm, 5-Gang-Getriebe, 9/43 Übersetzung, 90 l Tank, Dunlop-Reifen) – Getriebeschaden nach zwei Bestzeiten.

Es war keine richtige Erfolgsgeschichte, 1968 war vor der Homologierung der 1,6 HF eher eine „Bastelphase“ bei Motoren und Getrieben. 1969 fuhr Hannu Mikkola für Ford – und gewann unter anderen die Österreichische Alpenfahrt, bei welcher er Harry Källström mit der noch immer zu schwachen 1,3 HF auf den zweiten Platz verwies.

Hannu Mikkola 1968 – RAC Rally [McKlein]

Datum Bewerb

#

Beifahrer Erg. Fahrzeug

1967

14. Jän.

Monte-Carlo

48

Salminen

43

TO 858495

1968

16. Mai

Österr. Alpenfahrt

57

Järvi

2

TO 970376

5. Juli

Vltava

10

Järvi

DNS

12. Juli

Mugello

18

Källström

TO 953012

3. Sept.

Coupe des Alpes

30

Järvi

TO 970374

9. Nov.

Tour de Corse

17

Aho

TO 970371

16. Nov.

RAC

5

Aho

TO A65742

 

In seiner langen Karriere fuhr er „ungefähr“ alle Marken, hatte mit Ford, Mercedes, Audi, Mazda und Toyota die größten Erfolge. In der Fachliteratur – vor allem in Reinhard Kleins Büchern – sind Werdegang, Leistungen und Erfolge entsprechend gewürdigt.

Hannu, Achs- und Federbruch bei der nächsten Rallye.

Hannu Mikkola 1968 – Österr. Alpenfahrt [TMW Wien]

E. Marquart / 2.2021

1 Kommentar

  1. Franz Casny /

    Lieber Hannes, ja das waren noch Zeiten. Dein Nachruf ist nicht nur
    Bericht, sondern auch Hilfestellung für die Rekonstruktion der
    eigenen Vergangenheit.Ich fuhr damals Opel Olympia Rekord und war
    nur Zuschauer bei einigen Veranstaltungen. Ich konnte nur träumen
    solch Fahrzeuge zu bewegen. Der Versuch bei der Badener Rallye
    mit einem Polski Fiat scheiterte mit Verteiler Bruch während der
    Sonderprüfung Hochstraß – Pressbaum. Ich war nur Beifahrer aber ich
    verabschiedete mich vom Rallyesport. Alles Gute Hannu Mikkola LG franz

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