Es geht ja doch – wenn alle vernünftig sind – 1. CLASSIC 1000

Es geht ja doch – wenn alle vernünftig sind – 1. CLASSIC 1000

1 Nov, 2020

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Da traf die Erfüllung mehrerer Wünsche (gerade noch) rechtzeitig Ende Oktober 2020 zusammen: die historisch wertvollen Fahrzeuge nach dem traurigen Jahr 2020 noch einmal angemessen zu bewegen, die Zitierung der „glorreichen“ Vergangenheit und die Bewältigung der Auflagen wegen der Pandemie durch Vernunft und Technik für den sportlichen Bewerb zu beweisen.

Classic1000 2020 – Die Unterlagen für die Teilnehmer

Als Leser von lancianews ist Ihnen meine Fokussierung auf den (vergangenen) Rallyesport nicht verborgen geblieben. Zuerst als einer von mehreren Themenkreisen bei lancianews, dann als Notlösung für die Aufrechterhaltung der Periodizität der neuen Berichte und schließlich als Begründung der Schreibtischflucht, habe ich von historischen Bewerben und aktuellen Gleichmäßigkeitsveranstaltungen berichtet. Das Thema historische Bewerbe ist glücklicherweise abgeschlossen, die Gleichmäßigkeit seit 2007 (erfolglose) Geschichte, aber Hinweise auf aktuelle Bewerbe, bei denen der Geist der früheren Rallyes erfolgreich zitiert wird, sowie die Mithilfe bei der Organisation beschäftigen mich noch immer – und damit gebe ich nach dem offiziellen Ende des Redaktionsbetriebes von lancianews in unregelmäßigen Abständen Lebenszeichen.

Classic1000 2020 – das war u.a. im Sackerl drinnen

Wenn Sie die Archive der Rubriken „Drivers Journal“ und „Veranstaltungen“ durchstöbern, finde Sie einige Berichte über die Waldviertel Classic, Purkersdorf Classic und seit 2008 fast durchgehend von der Winterrallye Steiermark (zuerst aus Aflenz, seit 2011 aus Leoben). Weg von den quälenden 1/100-Sekunden-Klaubereien, flottes Fahren im Rahmen der StVO, nicht immer erfüllbare Anforderungen in Bergen und Wäldern, aber immer mit ausreichend Spaß! Kurt Schimitzek, ex-Steirer mit Rallyevergangenheit, organisiert seit 2008 die Winterrallye Steiermark – sofern ihn Vorbereitung und Teilnahme an der Rallye Monte-Carlo Historique dafür Zeit lassen – und schwärmte seit einigen Jahren von der Wiederbelebung österreichischer Rallyes der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Internationale Österreichische Alpenfahrt und Rallye der 1000 Minuten, beide 1973 in der ersten Energiekrise und durch Inkompatibilität Sport und Straßenverkehr verstorben. Der Wiener Club RRC13 unter Leitung von Kurt Sassarak konnte von 1998 bis 2009 mit dem Oldtimerbewerb „1000 Minuten Klassik“ an die Tradition anknüpfen, bevor die Finanzierbarkeit und Professionalisierung der Teilnehmer die Sache zu kompliziert werden ließ. Die Alpenfahrt wandelte sich nach gutem Beginn bald zur überschaubaren touristischen Ausfahrt mit Gleichmäßigkeitsprüfungen, eingebettet in komfortable 300 km-Etappen.

Classic1000 2020 – die Abnahme in Steyr/St. Ulrich

Während auch die Waldviertel Classic und Donau Historic nach wenigen Veranstaltungen „einschliefen“, blieb Kurt Schimitzek hartnäckig bei seiner Idee, eine flotte Rallye über größere Distanzen – z.B. 1.000 km – in der wärmeren Jahreszeit zu organisieren. Mein Buch „Wie breit sind 1000 Minuten?“ aus dem Jahr 2007, das die neun Rallyes der Jahre 1964 bis 1972 genau beschrieb, diente als „Vorlage“: das Konzept stand im Frühjahr 2020, die Strecke wurde in mehreren Schritten fixiert – Etappenziele, Etappenlänge, Fahrzeiten, Rhythmus der Etappen gewürzt mit einigen Gleichmäßigkeitsprüfungen, um ein sicheres Kriterium für die Wertung ergänzend zu der zeitgerechten Einhaltung der vorgeschriebenen Strecke zu haben.

Classic1000 2020 – Start am Freitag in Steyr

Die moderne Kommunikationstechnik mit GPS, Daten-Loggern und Handy-Einbindung ermöglichte eine Wettbewerbskonzeption, die „früher“ Legionen von Mitarbeitern zur Protokollierung und Einhaltung der Wettbewerbsbedingungen erfordert hätte, 2020 bei gewissenhafter Vorbereitung die Einrichtung von 36 Zeitkontrollen, 48 Passierkontrollen, 20 Überwachungen von kritischen Geschwindigkeitsbegrenzungen – ohne, dass ein Funktionär „sichtbar“ wurde. Diese Abwicklung ohne Personal war aktuell die Sicherstellung für die Behörden, dass die verschärften Corona-Vorschriften wirklich eingehalten werden konnte. Die aktive Mitarbeit der beiden Beherbergungsbetriebe – Gasthof Mayr in Steyr/St. Ulrich https://www.landgasthof-mayr.at/ und Hotel Schloss Weikersdorf in Baden https://hotelschlossweikersdorf.at/ – war wichtiger Bestandteil der Gesamtorganisation.

Classic1000 2020 – Freitag, Bärnkopf im Waldviertel

Bereits im August 2020 standen 25 Teams auf der Nennliste, 20 davon traten zur Rallye an. Am Donnerstag trafen die Teilnehmer im Laufe des Nachmittags in Steyr/St. Ulrich ein, wo im Landgasthof Mayr das Rallye-Hauptquartier eingerichtet war. Ausgabe der Unterlagen – Roadbücher für die fünf Sektoren in Form von Karten, Fahrerbesprechung, ergänzende Erklärungen und Abendessen mit der vorgeschriebenen sozialen Distanz. Freitag früh bei strahlendem Herbstwetter – und anfänglich Nebel nahe der Donau – starteten 20 Fahrzeuge auf den 570 km langen Weg nach Baden, auf welchen 19 Zeitkontrollen, 36 Passierkontrollen und drei Gleichmäßigkeitsprüfungen in knapp 12 Stunden zu absolvieren waren. Mostviertel, Querung der Donau bei Ybbs, Waldviertel bis nach Litschau, nach Osten über Drosendorf, Eggenburg, Tulln, den Wienerwald zum Hotel Schloss Weikersdorf in Baden.

Samstag früh Start in Baden mit Regen, 404 km in 8:30 Stunden über die Autobahn nach Schleinz, von wo der Weg durch die Bucklige Welt, Aspang, Gloggnitz, Semmering, Höllental, an Mariazell vorbei, Lunz, Hollenstein, Laussa zurück nach Steyr führte. 17 Zeitkontrollen, 12 Passierkontrollen und drei Gleichmäßigkeitsprüfungen standen auf der Startkarte, die jeder Teilnehmer zur eigenen Kontrolle führte, um sie im Ziel mit den GPS-Daten vergleichen zu können.

Classic1000 2020 – Samstag Kalte Rinne

Es kamen 19 Fahrzeuge zeitgerecht ins Ziel, wo für die durstigen Männer das Begrüßungsbier bereits bereitstand, es soll auch Damen gegeben haben, die diesen Trunk nicht verschmäht haben. Pünktlich trat Kurt Schimitzek mit den Ergebnissen vor die erwartungsvollen Teilnehmer, verlas das Gesamt- und die Gruppenergebnisse, die Details umfassten fünf Seiten pro Teilnehmer, diese wurden am nächsten Tag via E-Mail verteilt. Pokale für die platzierten Fahrer und BeifahrerInnen sowie Blumensträuße für die Damen. Und das waren erfreulich viele – sechs Damen auf den Plätzen 1, 7, 8, 16, 17, 18.

Classic1000 2020 – Willkommenstrunk im Ziel

Classic1000 2020 – das gab’s zu gewinnen und Blumen für die Damen

Die Classic1000 2020 war eine Premiere, ein „Versuchsballon“, das Konzept scheint richtig zu sein, bedarf noch einiger ergänzender Korrekturen. Die Abwicklung mit den beiden Beherbergungsbetrieben, der FH Kärnten ( https://www.fh-kaernten.at/ – Bereich „Sporttelematiker der FH Kärnten vom Studienbereich Engineering & IT“ ) unter Leitung von Herrn Dr. Helmut Wöllik – drei MitabeiterInnen/Studenten begleiteten die Rallye, zwei saßen im Homeoffice in Kärnten – für die Zeitnahme, Streckenüberwachung und Ergebnisermittlung sowie den (ganz wenigen) Heinzelmännchen von Kurt Schimitzek hat gut funktioniert.

 

E. Marquart / 11.2020

Detaillierte Informationen zur Veranstaltung und die Ergebnisse finden Sie auf der Homepage: https://www.classic1000.at/de/

Classic1000 2020 – Professionelle Dokumentation

Markus Tobisch, professioneller Fotograf aus der Steiermark, hat die Herbststimmung eindrucksvoll eingefangen: https://www.pressfoto.at/

Classic1000 2020 – Samstag in der Kalten Rinne

Classic1000 2020 – Bärnkopf im Waldviertel

 

Classic1000 2020 – er lief und lief – hier durch die Kalte Rinne vor dem Semmering

 

2 Kommentare

  1. Florian Heim /

    Vielen Dank für den Bericht Hr. Marquart. Zeitlich ging sich diesmal eine eigene Teilnahme nicht aus aber das kann ja noch werden.
    Alles Gute und eine weiterhin elegante und lockere Feder wünscht Ihr Florian Heim, Abbach

    • Ernst Marquart /

      Sehr geehrter Herr Heim,

      fast ganze Projekt war eine Verrücktheit von Kurt Schimitzek. Das Konzept der Winterrallye in die freundlichere Jahreszeit (natürlich im Herbst und mit Nebel) verschieben, dem historischen Vorbild der Rallye der 1000 Minuten folgend, sollten die 1000 km flott in zwei Etappen gefahren werde: Karten wie erprobt, kurze Etappen und total verlassenene Straßen im östlichen Österreich. Es gab keine organisatorischen Mängel, überraschenderweise wurde alle Etappen „derfahren“. Etwas Gleichmäßigkeit. was jedoch das Gesamtergebnis nicht groß beeinflusste. Die Zeitnahme durch die FH Kärntner mit Assistenten. Studenten und Prof. Dr. Wöhlik funktionierte sehr gut.
      Ob es 2021 weitergehen wird, wird man sehen.
      MfG
      E. Marquart

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